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Im deutschen Reich · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. 557

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Marokko und "kaiserliche Schildträger"
Date
1911-10-01
Page
557 (sequence 5)
Language
German
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Marokko imb „kaiserliche Schildträger". Mau kann uicht mehr allein von einem Gefangenen ,im Vatikan, sondern auch von einem Gefangenen in Potsdam sprechen." In wessen „festen Krallen" sich der Kaiser befindet, hat die „Staatsb. Ztg." oft näher ausgeführt: „In unfern höchsten Kreisen gehen Juden aus und ein; jüdische Automobilisten, die christliche Kinder über den Haufen fahren unb ihre Tat im Gefängnis büßen sollen, werden durch K a i s e r l i ch e ©nabe der Strafe entzöge n, und Leute wie Katzenstein, Goldberger, Ballin, Rathenau, Simon usw. gehören zu dem täglichen Umgang des Kaisers . . ." In ähnlichem ehrfurchtsvollem Ton schrieb früher die „Deutsche Hochwacht" über „die Liebhabereien des heutigen preußischen Hofes": „Vorläufig haben wir noch kein Mittel, zu verhindern, daß der König von Preußen einer Horde gewissenloser Spekulanten das Prädikat des Adels beilegt, sich mit ihnen an einen Tisch setzt. Wenn aber Sr. Majestät dem Kaiser dabei wohl zumute i st, s o i st er für das deutsche Volk rettungslos v e r l o r e n." Das ist die Sprache der „kaiserlichen Schildhalter", die morgen aber wieder in Demut ehrerbietigst ersterben, wenn es ihnen - angebracht erscheint. Was wollen nun unsere tapfern Arier? Krieg um jeden Preis. „Unsere diplomatischen Vertreter ließen an Deutlichkeit und Rückgrat sehr viel zu wünschen übrig", poltert die „Staatsb. Ztg.", und die „Deutsche Tageszeitung" hat auch schon einen fertigen Kriegsplan, eines Moltke würdig: Erst rennen wir Frankreich über den Haufen, dann England. „Sobald es gelungen wäre, Frankreich niederzuwerfen, würde die deutsche Stellung auf dem Festlande eine so gewaltige sein, daß Großbritannien sich wohl oder übel mit uns friedlich-schiedlich auseinandersetzen müßte und auf Fortführung des Seekrieges zu verzichten für vorteilhaft halten würde. Ohne Krieg und ohne Kompensationen aber die Marokkofrage mit allen daran hängenden Machtfragen zu lösen, dürfte annähernd unmöglich sein." Als einst im Reichstag Herr Liebermann von Sonnenburg seine chauvinistischen alldeutschen Anschauungen in selbstgefälliger Weise zum besten gab, mußte er sich vorn Fürsten von Bülow eine Standpauke über „Maulheldentum" gefallen lassen, deren Neuauflage heute am Platze wäre.

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