Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Marokko und "kaiserliche Schildträger"
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 558 (sequence 6)
- Language
- German
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>58 Im deutschen Reich. Heuchler! Maulhelden! Wie lange werden sie noch ihr unsauberes Handwerk treiben, bis ein Sturm der Entrüstung in deutschen Landen losbricht und sie in ihre dunkeln Schlupfwinkel scheucht? Der Weichskanzler üöer die Zurückweisung jüdischer Wedizinalpraktikaute». Wir haben wiederholt über Fälle berichtet, in denen jüdische Medizinalpraktikanten sich zur Ableistung des in der Prüfungsordnung vorgeschriebenen praktischen Jahres meldeten und von der Leitung der Krankenhäuser aus konfessionellen Gründen zurückgewiesen wurden*). Am Allgemeinen Krankenhaus in Lübeck wurde ein Praktikant, kaum eingetreten, im wahren Sinne des Wortes hinausgegrault. In Britz wurde von dem Leiter des Kreiskrankenhauses einem Praktikanten bedeutet, daß er, falls er Israelit sei, nicht berücksichtigt, werden könne, „da die z. Z. hier beschäftigten Aerzte den dringenden Wunsch haben, nicht mit jüdischen Kollegen zusammen im Kasino zu verkehren". Die gegen Verfassung und Gesetz verstoßenden Vorgänge hatten uns zu Beschwerden beim Landrat, Regierungspräsidenten und Kultusminister veranlaßt. Der Letztere hatte schließlich, nachdem er im Abgeordnetenhause wiederholt interpelliert war, auf eine Eingabe der Berlin-Brandenburger Aerztekammer geantwortet, daß er zwar dem Britzer Kreiskrankenhaus die Ermächtigung zur Annahme von Praktikanten nicht entziehen könne, aber die Zurückweisung des jüdischen Bewerbers b e a n st a n d e n m ü s s e, d a a u s d e m Verzeichnis d e r e r m ä ch t i g t e n Sl r ankenh « u s e r nicht h e r v o r g e he, daß das B r i tz e r K r a n k e nh aus e i n k o n f e s s i o n e l l e s s e i. Tatsächlich ist es nichr konfessionell, sondern aus den Mitteln aller Steuerzahler unterhalten. G Vergl. Jahrgang 1910 dieser Zeitschrift S 373, 450 und 581. Jahrgang i911; S. 126 und 511.