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Im deutschen Reich · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. 550

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre
Date
1911-10-01
Page
550 (sequence 22)
Language
German
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550 Im deutschen Reich. und den Schulchan aruch unsere Gesetzesqnellen nennen; denn in ihnen sind die edelsten und reinsten Sittenlehren enthalten, und nicht etwa nur an vereinzelten Stellen, sondern in allen Teilen dieses umfassenden Werkes mehrerer Jahrhunderte finden wir die Lehren und die Beispiele einer idealen Sittlichkeit. Wenn hie und da Anschauungen und Sätze ' begegnen, die modernem Empfinden widersprechen, so mag dabei im Auge behalten werden, daß der T a l m u d vor et in a v i e r z e h n h u n d e r t Jahren a b g e - s ch l o s s e u w u r d e und so wenig die Anschauungen und Verhältnisse unserer Zeit zur Grundlage haben kann, Wie etwa die Kirchenväter in ihren Schriften. Aber derartige unmoderne Lehren sind von dem gesunden Sinne der Rabbinen im Laufe der Zeit immer überwunden, ja zum Teil schon im Talmud selbst desavouiert worden. Der Talmud hat allen Anfeindungen widerstanden, die seit Jahrhunderten gegen ihn eröffnet wurden. Er konnte ihnen widerstehen, weil er im Geiste der Wahrheit, im Geiste edler Reinheit festgelegt wurde. Seine Feinde aber mußten vergehen: denn ihr Kampf war nicht von diesem Geiste' getragen. Eisenmenger,Rohlrng, I u st u s und Ecker, die „g e l e h r t e it" Angreifer des T a l ni u d s , waren nicht e h r liche K ü m p e n , s o n d c r it F ü lsche r und lln w issende, w aren Verleumde r. Wir möchten unsere Darlegung nicht schließen, ohne noch eine Frage aufzuwerfen: ist Herr Prof. Beer auf dem Gebiete des rabbinischen Schrifttums wirklich eine solche Autorität, genießt er in Fachkreisen wirklich ein derartiges Ansehen, daß er als die geeignete Persönlichkeit erscheinen durste, als Sachverständiger ein Gutachten abzugeben? Bisher ist durch die Kritik nur eine Schrift bekannt geworden, mit der er sich wissenschaftlich auf dieses Gebiet begeben hat: seine Mischna-Ausgabe des Traktates „Schabbath". Vier Beurteilungen sind uns über diese Arbeit begegnet, drei von Theologen, eine von einem Semitisten. Die Theologen, die im wesentlichen Anlage, Erklärung des Textes und Auffassung des Inhaltes bewerten, sind voller Begeisterung über das Werk. Der Semitist dagegen, ein Jude, der seit vielen Jahren eine völlige Beherrschung des Materials bewiesen hat, kommt in einer hochangesehenen orientalischen Zeitschrift, der „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" (1909, S. 252 ff.) auf Grund philologischer Prüfung der Textausgabe und der Uebersetzuug zu einem wesentlich anderen Resultat: er spricht von einer „äußerst mangelhaften Kenntnis d e s R e u h e b r ä i s ch e n und . . bewundernswerten Unkenntnis des h e b r ä i s ch e n Schrifttums": er behauptet auf Grund einer Reihe von gröbsten Mißverständnissen und Unrichtigkeiten, „daß Beer von dem außerhalb der Wörterbücher liegenden rabbinischen Schrifttum keine blasse

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