Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 546 (sequence 18)
- Language
- German
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546 Im deutschen Reich. feit erst erweisen wollte. Gelang also der Nachweis einer solchen Stütze, so 'konnte man der betr. Lehre eher eine Anerkennung verschaffen. — Hinsichtlich der Verunreinigung an einer Leiche (gemeint ist immer nur eine ideelle Unreinheit, die der Lebende vom Abgestorbenen empfängt, und die ihn von gewissen religiösen Verrichtungen ausschließt), versuchten nun zwei Rabbinen, R. Simon b. Jochai und R. Meir, den. Grundsatz .aufzustellen, daß ein Unterschied zwischen den Leichen der Juden und denen der Nichtjuden gemacht -werden müßte. Es kann in diesem Zusammenhänge völlig gleichgültig sein, ob sie eine ältere Tradition begründen (so daß also schon in früheren Zeiten dieser Unterschied bestanden hatte-'"), oder ob sie, dem Zwange der Zeit folgend, diese Anordnung erst neu schaffen wollten (so daß also die Unterscheidung erst von ihnen 'für notig erachtet wurdet). So oder so: sie suchten nach talmudischer Art eine Stütze in der Thora. Nach dem klaren Wortlaut der Thora konnten sie nun aber eigentlich nur das Gegenteil anerkennen: ''denn der Text an der betr. Stelle: (Num. 19, 44) adam ki jamuth . . . wenn jemand (ein Mensch) stirbt . . . bezieht sich augenscheinlich auf Menschen allgemein, zumal auch sonst im Talmud der Ausdruck adam gerade dahin ausgelegt wird, daß er auch die Heiden -einschließe^).. Sie zogen nun eine Stelle aus Ezech. (34, 31) heran, in der der Ausdruck adam in besondere Verbindung mit Israel gesetzt wird: adam attem, i h r seid Menschewch. Da hatten sie nun eine Stütze für ihren Lehrsatz: adam ki samutch das heißt nun, wenn ein Israelit stirbt . . . attem k’rujim adam, ihr, Israeliten, werdet Menschen genannt, d. h. aus euch allein bezieht sich in jenem Thoraworte (Num. 19, 14) das Wort adam, nicht aber aus Nichtisraeliten. Daß hiermit keineswegs ganz allgemein den Nichtjuden die Bezeichnung als Menschen abgesprochen werden sollte, beweist schon der Umstand, daß eben jener Lehrer, der' diese Stütze heranzog, dasselbe Wort adam als aus die Heiden bezüglich auslegte. (Die Tosafisten bemühen sich, den Widerspruch klarzustellen, und glauben, daß R. Meir einen Unterschied mache zwischen adam und ka-adam lohne oder mit Artikel).) Das beweist auch die Tatsache, daß überall den Nichtjuden gegenüber die gleiche Achtung entgegen- -*o) So Hossmann, a. a. O. S. 124 Anm.;;l) . So Chwolson, a. a. O. S. 148 s. 3-) D. 1). baba kama 38 a: zu Lev. 18,5: nicht „Priester, Leviten und Israeliten" ist gesagt, sondern „ein^ Mensch" (adam): daraus ist 'zu ersehen, daß auch der Nicht-Israelit eingeschlossen ist. Vgl. ^auüedr. 59 a: aboda zara 3 a. Zur Beleuchtung dieser Stelle vgl. Kovp, Alteunsw., S.