Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 535 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Verlästerung der jüdischen ^ittenlehre. 535 Sinne entschieden (hagaoth Rema-, um altüberlieferte nnd lange geübte Bräuche nicht als ungültig erscheinen zu lassen. Im Laufe einer kurzen Zeit erschienen dann nach eine ganze Reihe von derartigen Zusätzen, die beit Schulchan arnch ergänzen, berichtigen und erklären wollten und allmählich solche Bedeutung erlangten, daß sie mit dem Schulchan aruch eng verwuchsen, so daß heute keine Ausgabe des Schulchan aruch ohne sie gedruckt und benutzt wird. Wenn also heute der Schulchan arnch als maßgebendes Gesetzbuch angesprochen wird, so gilt dies nur in dem Sinne, daß in jedem einzelnen Falte die genannten Zusätze und Erläuterungen einzusehen sind. Diese Prüfung ergibt in zahllosen Fällen die Notwendigkeit, die betr. Gesetzesfrage von ihren Quellet! an, d. h. aus Thora und Talmud, wieder neu zu entwickeln; die Co Vizes, auch der Schulchan aruch, haben hierbei meist den Wert einer mehr oder weniger starren autoritativen Empfehlung, nicht aber eine Bedeutung als bindendes Gesetz. So existiert b i s aus d e n h e u tige n T a g kein Codex, der als unzweifelhaft bindend, als allgemein gültiges Ges e n b it ch a n e r k a n n t w urde. Allein maßgebend f ü r n n s e r e Gesetze s v o r - s ch r i f t e n s i n d die G e s e tz e s e n t s ch e i d u n g e n , die v o n F a l l z n F a l l n e u a n s de n Q n >e l l e n heraus getroffen werden. Hierbei gelten gewisse Regeln, die von den Rabbinen bei ihren Entscheidungen beobachtet werden müssen, die also ein Regulativ bilden, um persönliches Gutdünken und Willkür auszuschalten. Es steht jede in Rabbiner, der. auf G r u u d seines 8 tu d t it in s n n d aus Grund sein e r P e r s ö n l i ch k e i t, zu die s e m A nt t e a u t o r i s i e r t wird, dieBerechti a n n g z n , Jedes einzelne Gesetz, öas im Schulchan aruch coöifiziert ist, auf seine Dichtigkeit zu xrüfen, und, w e n tt er ans den Quellen h eräug z u der Erke n n t - n i § gelangt, daß die s ch l i e ß l i ch e Entscheidung des Schulchan arnch den Quelle n n a ch i h rem Wortlaute oder ihrem G e i st e n i ch t entspreche, anders zu entfcheiöenW). Wenn also wirklich im Schulchan arnch sich „Gesetze" finden sollten, in denen den Inden ein feindseliges, inhumanes oder unsittliches Verhalten gegenüber den Christen geboten wäre, so wäre damit noch niemals bewiesen, daß diese „Gesetze" von den Inden als bindende Gesetze anerkannt, respektiert oder gar geübt würden. Und wenn nun gar von den Rabbinen der Jetztzeit, nicht etwa vereinzelt, sondern wiederholt, erklärt worden ist, n) Vgl. Hoffmann, Der Schulchan arnch nnd die Rabbinen über 'das Verhältnis zu Andersgläubigen. 2. Ausl. 1891. S. 36 ff.