Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 531 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre. 531 Geschichte ihres eigenen Vaterlandes so wenig Bescheid, daß sie König Friedrich I. (als Kurfürst 1688—1701, als König 1701—1713) Eisenmengers „Entdecktes Judentum" vor 300 Jahren, also um 1600, drucken und verbreiten lassen! Bekommen es doch diese Vertreter der „e h r l i ch e n P u b l i z i st i k" fertig, am 23. Juli „dem bekannten Judenschützer Professor Dr. Strack aufs Wort zu glauben, wenn er anführt, daß die Heutigen Rabbiner samt und sonders ddn Talmud als Grundlage der jüdischen Religion abgelehnt hätten" (obwohl Professor Strack im Gegenteil ihn ausdrücklich „als Rechtsquelle bezeichnet, zu der jeder, der das Religionsgesetz kennen wolle, zurückgehen müssech"), und, da doch leider dieser Glaube den Kampf gegen den Talmud als unnötig erscheinen lassen müßte, schon am 25. Juli in Sperrdruck zu erklären, der Talmud sei „noch heute die allein maßgebliche Gesetzesquelle der Juden, die volle Gültigkeit besitzt". Am 25. Juli hatte man mit aller Bestimmtheit die Frage, ob der Talmud die Grundlage des „rassischen Judentums?" sei, beantwortet, während sie am 23. Juli „noch immer ihrer Beantwortung" „harrte". — Unsere Hoffnung beruht aus der Unparteilichkeit der Gerichte, die allmählich zu der Einsicht gelangen müssen, daß es sich hier nicht um eine gute Ueberzeugung, nicht um den Glauben an die Lauterkeit des Zieles handelt, daß vielmehr böser Wille die Vergehungen gegen das Strafgesetzbuch verschuldet, deren objektives Vorliegen ja auch das freisprechende Urteil festgestellt hat.' — Aber noch ein anderes zwingt uns zu einer Aufklärung: der in unserer Mitte leider nicht zu leugnende und immer noch zunehmende Mangel an Kenntnis unserer eigenen Geschichte und Literatur, vor allem auch des Wesens unserer Religion, bringt es mit sich, daß selbst in unseren Kreisen diese törichten Beschimpfungen Unheil stiften. Wiederholt mußten wir solche Juden, die einen derartigen antisemitischen Bericht gelesen hatten, in ernsthafter Belehrung Fon dem Glauben abbringen, als könne auch nur eine einzige dieser Anschuldigungen uns in Verlegenheit setzen, als müßten wir auch nur in irgendeinem. Punkte den Feinden die Berechtigung eines solchen Kampfes zugesteheu. Unserds Erachtens kann bei Männern, die gegen eine ganze Klasse der deutschen Bevölkerung unaufhörlich hetzen, von der guten Ueb'erzeugung hinsichtlich der von ihnen vertretenen „wissenschaftlichen" Anschauungen von dem Augenblick an keine Rede mehr sein, wo sie. die Möglichkeiten, sich von berufener Seite belehren zu lassen, nicht aufsuchen, ja sogar, wo sie ihnen angeboten ist, sie zurückweisen. In einem anständig geführten Kampfe, in dem eben allein die gute Ueberzeugung maßgebend bleibt, muß von jeder 5) Erklärung in: „Israel. Wochenbl." 1911, Nr. 35, S. 315.