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Im deutschen Reich · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Die Verlästerung der jüdischen Sittenlehre
Date
1911-10-01
Page
530 (sequence 2)
Language
German
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530 Im deutschen Reich. habeant sibi. Aber die Tatsachen haben es bewiesen, daß diese Art der antisemitischen Agitation verheerende Wirkung in den Geistern der urteilslosen Menge, ja auch der gebildeten Kreise, übt; daß ganze Volkskreise von diesem Gifte der Verleumdung verseucht und zu Taten hingerissen werden, die Hab und Gut und Leben der jüdischen Bevölkerung in ganzen Städten und Landstrichen aufs ernsteste gefährden. Wer die Ereignisse der letzten Jahrzehnte kennt, muß sich angstvoll 'fragen, was daraus entstehen kann, wenn den Antisemiten, die „Ueberzeugung von. der Güte ihrer Sache" einen Freibrief für die schlimmsten und aufreizendsten Hetzartikel gewähren soll. Der Uebermut der edlen „Staatsbürgerin" macht sich auch schon jetzt bemerkbar. Daß sie triumphierend ihren Lesern die Jubelkunde unter der Ueberschrift „Freigesprochen" mitteilte-), ist nicht verwunderlich; aber schon fünf Tage später legte sie ihren Lesern „Perlen aus dem Talmud" vorZ, lim ihre Behauptung zu erweisen: „Die talmudischen Gesetze sind inhuman und intolerant." Mit Stolz beruft sie sich auf ihren „Sachverständigen", Herrn Prof. Beer-Heidelberg, der ihr „Bestreben, von völkischen Geheimlehren (!) den Schleier zu ziehen, um zu zeigen, wes Geistes sie sind", „eine verdienstliche Tat genannt hatH" (obwohl selbst dieser vor Gericht das Bestehen irgendwelcher jüdischer Geheimlehren ausdrücklich verneint hat, wie kurz zuvor in ihrem eigenen Berichte zu lesen war). In einer ganzen Reihe von Artikeln ist sie wie der „Hammer" und andere gleichgeartete Blätter an der Arbeit, ihren Leserkreis über die „wahren Lehren des Talmud" „auszuklären". Und in der Nummer des „Hammer" vom 15. August hat der! Herausgeber, um seine Leser davon zu überzeugen, daß diese Lehren wirklich Lehren des Talmud seien, sogar hebräische Zitate in hebräischen Lettern dazugesetzt. Er mag sich dabei darauf verlassen haben, daß seine Leser so wenig imstande sein würden, diese hebräischen Zitate zu entziffern, wie er selbst. Er würde sonst, wo er aus seinem Talmud (Ecker, der Jugendspiegel im Lichte der Wahrheit) die hebräischen „Gesetze" nicht in dem ganzen Umfange der Vorlage abdruckt, größere Vorsicht geübt haben; denn es ist ihm das Malheur passiert, zweimal Sätze zu drucken, die keine Sätze sind, weil sie aus ihrer Konstruktion herausgerissen sind. — Wie wenig h i e r alle unsere Bemühungen, etwa Aufklärung verbreiten zu wollen, von Erfolg gekrönt sein können, geht aus der ganzen geistigen Verfassung, in der diese Aufsätze geschrieben sind, deutlich genug hervor. Wissen doch diese Patrioten in der 2) Nr. 168, 1. Beilage (20. Juli 1911). s) Nr. 172 (25. Juli 1911). B Nr. 171 (Sonntag, 23. Juli).

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