Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 512 (sequence 7)
- Language
- German
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512 Im deutschen Reich. Grund dieser Unterredung zog natürlich der Praktikant sein Gesuch zurück, obgleich ihm schon damals der von Herrn Professor Dr. Wiede mann betonte streng konfessionelle Charakter unwahrscheinlich erschien, da der Leiter der chirurgischen Abteilung ihm einige Monate vorher ausdrücklich erklärt hatte, daß auf die Religion der Praktikanten bei der Anstellung keine Rücksicht genommen würde. Diese -Gründe und der Umstand, daß das Krankenhaus in der Liste der zur Annahme von Medizinalpraktikanten ermächtigten Krankenhäuser nicht als solches kenntlich gemacht ist, das nur Angehörige katholischer Religion berücksichtigt, veranlasse uns zu der Anfrage an das Kuratorium, ob es in der Tat keine jüdischen Praktikanten anstelle. Daraus erhielten wir den Bescheid, daß das St. .Josephskrankenhaus Medizinalpraktikanten ohne Rücksicht aus ihre Konfession anstelle, daß ferner Zur Zeit ein jüdischer Arzt dort tätig sei und auch bereits Juden als Medizinalpraktikanten daselbst gearbeitet hätten. Der preußische Stabsarzt, der „keine kleinlichen Rücksichten kennt" und selbst als Protestant eine Ausnahmestelle einnimmt, warnt einen jüdischen Kollegen in dessen Interesse vor einer solchen 'Ausnahmestellung. Wir sind der Ansicht, daß diese warme Fürsorge flir das "Zartgefühl eines .Kollegen wirklich zu weitgehend ist. — Der D e u t s ch n a t i o n a l e Handlungsgeh i l fe n v e r b a n d hat offenbar ein neues Gebiet für seine Betätigung gefunden, indem er S ch u tz g e m e i n s ch aste n f ü r H a n d e l u n d Ge w e r b e begründet oder fördert, welche meinen, faule Forderungen am wirksamsten dadurch einziehen zu können, daß sie Juden von der Mitgliedschaft ausschließeu. So wurde unlängst in Wittenberg ein derartiger Verband von dem Vorsitzenden des D. H. V. begründet. Offenbar glaubt der D. H. V. durch Gründung derartiger Verbände seinen Einfluß auf die diesem Schutzverband angehörigen Chefs besonders leicht ausüben zu können. Jedenfalls wollen wir die Wittenberger Juden durch vorstehende Notiz auf diesen Verband besonders aufmerksam machen. Der Deutsch-nationale Handlimgsgehilfen-Berband bestreitet bekanntlich entschieden seinen antisemitischen Charakter, insbesondere glaubt er zwischen sich und den antisemitischen Hetzorganen unterscheiden zu müssen, da er den Kampf gegen die Juden in vornehmer sachlicher Art