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Im deutschen Reich · 1911-09-01 · Heft 9 (September 1911) · p. 511

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 9 (September 1911)
Article
Berlin
Date
1911-09-01
Page
511 (sequence 6)
Language
German
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Korrespondenzen. 511 ehrlich sich Mühenden und Strebenden sich offenbaren." Deutlicher kann es gar nicht ausgesprochen werden, daß das letzte Ziel des Rassenantisemitismus nicht nur die Entrechtung der Inden, sondern auch die Loslösung des deutschen Volkes von dem Christentum ist. — Wie die Berliner „National-Zeitung" der „Zeit" entnimmt, ist kürzlich in der ungarischen Gemeinde Mo hol der 13 Jahre alte Matthias Ven beim Baden in der Theiß von den Wellen erfaßt und fortgerissen worden. Er kämpfte zwanzig Minuten lang und schrie um Hilfe. Von den Leuten am User rührte sich niemand, weil sie meinten, daß der mit den Wellen kämpfende Knabe der Sohn Samuel des jüdischen Spezereihändlers Weiß sei. Der Lehrer Lorenz Simon meinte noch: „Wenigstens gibt es einen Juden weniger." Der Irrtum wurde erst bemerkt, als der alte Ven, der Kirchenvater der katholischen Gemeinde ist, in der aus dem Fluß gezogenen Leiche seinen Sohn erkannte. — Ein merkwürdiger Fall der Abweisung eines jü di scheu M ed i z i n a lp r a k t i k a n t e n hat sich im Potsdamer St. I o sephskranken h aus zugetragen. Nachdem der jüdische Medizinalpraktikant A. B. sich schriftlich um die Potsdamer Stelle beworben hatte, begab er sich persönlich zu dem leitenden Arzt der inneren Abteilung, Herrn Professor Dr. Wiedemann, um wegen der Anstellung Rücksprache zu nehmen. Als der Praktikant dem Herrn Professor auf die Frage nach seiner Konfession erklärt hatte, daß er Jude sei, gab ihm dieser wohlwollend den Ratz in seinem eigenen Interesse das Gesuch zurückzuziehen, so bedauerlich diese Maßnahme auch in Anbetracht der guten Zeugnisse des Praktikanten wäre. Er selbst wäre durchaus Freigeist, sei preußischer Stabsarzt und kenne als solcher keine kleinlichen Rücksichten. Ailch habe er gegen jüdische Aerzte nichts einzuwenden, zumal er keine schlechten Erfahrungen mit ihnen bei gemeinsamer Berufsarbeit gemacht hätte. Im vorliegenden Falle aber handle es sich um eine Anstellung in einem streng orthodoxen katholischen Krankenhause, in dem er selbst als einziger Protestant eine Ausnahmestelle einnähme. Das Kuratorium des Krankenhauses stehe nämlich auf streng katholischer Basis und werde sicher nur katholischen Aerzten Anstellung verschaffen. Aus

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