Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 510 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316813-2345116--21883-2345182- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
510 Im deutschen Reich. Ministerpräsidenten Carp und bertt Minister Cantacuzeno hatten, erklärten die 6eiben ersteren, daß sie jede Vertuschung der gegen Finkelstein erhobenen Anklage bedauern würden, weil sie von deren Nichtigkeit fest überzeugt seien. Die Behauptungen der rumänischen Oppositionsblätter, daß schon früher ähnliche Klagen wie die jetzt gegen Finkelstein erhobene vorgebracht worden seien, sind unwahr. Tatsächlich hat in Rumänien bisher kein einziger Ritualmord-Prozeß stattgefunden, und man kann zu der jetzigen rumänischen Regierung das Vertrauen haben, daß sie Recht und Gesetz für alle Landesbewohner ohne Unterschied des Glaubens ausrecht erhalten werde. — Wenn die frommen konservativen Parteiführer und insbesondere die Christlich-Sozialen die deutsch-sozialen Antisemiten als willkommene Bundesgenossen betrachten und behandeln, fördern sie, wenn auch anscheinend unwissentlich, eine E n t ch r i st l i ch u n g i n D e u t s chland, deren Bekämpfung doch in ihren Parteiprogrammen eine so große Rolle spielt. So wenig man aber dem offenbarten Gott und dem Baal gleichzeitig dienen kann, so wenig ist der von deutschvölkischer Seite mit wachsendem Erfolge betriebene Balduru u d Wot a nsk u l t u s mit den religiösen Anschauungen des positiven Christentums in Einklang zu bringen, das einst diese Anbetung der Naturgewalten erst nach schweren Kämpfen siegreich überwunden hat. Was bei den verschiedenen Sonnenwendfeiern Hans v. Mosch in bezug auf Verherrlichung eines deutsch-nationalen Heidentums geleistet hat, ist neuerdings von dem antisemitischen A m t s g e r i ch t s r a t Or. Will \) M a h r noch drastischer bei einer von deutsch-völkischenVereinenr aus dem Rehberg bei Darmstadt veranstalteten Sonnenwendfeier überboten worden. Dieser sagte in der von ihm gehalteneil „Feuerrede" wörtlich: „Der hochzielende Sonnensinn der nordischen Rasse, die bis aus den heutigen Tag n o ch u n s er nt deutschen V o l k e i n B l u t u n!d Seele sein Gepräge gibt, sah die Gottheit nicht weit ü b e r der Erde, dem zagen Erdenwurm unerreichbar ohne Mittler, hart, grausam und unerbittlich rächend thronen und unerforschlich walten, sondern erkannte den Atem Allvaters liebend und segenspendend mitten im Weltenleben wohnen und gesetzmäßig wirken, G o t t o h u e IN i t t l e r , dem