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Im deutschen Reich · 1911-09-01 · Heft 9 (September 1911) · p. 509

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 9 (September 1911)
Article
Berlin
Date
1911-09-01
Page
509 (sequence 4)
Language
German
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Korrespondenzen. 509 den Schleier. Mir, als Anhänger der jüdischen Gemeinschaft, würden Sie einen ganz besonderen Gefallen damit erweisen. Mit besonderer Hochachtung gez. Dr. H. Bernhardt. Unermüdlich krebsen, nicht nur die russischen, sondern auch unsere deutschen Antisemiten mit dem Ritualmord-Märchen weiter. In der „Staatsbürger-Zeitung" faselt „ein alter Offizier" von „jüdischen Sekten, die im westlichen Europa (kanten, Pvlna, Sing, Könitz usw.) den noch immer vorkommenden Blutmorden nahezustehen scheinen." Der „alte Offizier" und die „Staatsbürger-Zeitung" handeln mindestens leichtfertig, indem sie von neuem die alte Blutmordlüge anftischen. Gerade in Könitz ist gerichtsnotorisch und durch die wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen festgestellt, daß ein Ritualmord, sowie Juden als Mörder des Gymnasiasten Winter in .Könitz nicht in Frage kommen können. Aber was verschlügt das einein ehrlichen „teutschen" Antisemiten? Ueber das von der rumänischen Parteipresse verbreitete rituelle Blut m ä r ch e n wird uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt: Die Blutmärchen-Meldung des sich als Organ der Liberalen Partei bezeichnenden Bukarester Blattes „Biitorul", das von dem früheren Ministerpräsidenten Jonel Bratianu inspiriert wird und dem jetzigen Ministerium beständig Schwierigkeiten zu verursachen sucht, ist offenbar eine Erfindung zu bestimmten politischen Zwecken. Bereits in den letzten Maitagen wurde in Bukarest das Gerücht verbreitet, der jüdische Kaufmann Finkelstein habe den Sohn des in Bukarest wohnenden deutschen Untertanen Pach in seine Wohnung gelockt, ihm Blut abgezapft und sich desselben zu rituellen Gebräuchen bedient. Der Staatsanwalt, der sofort in Begleitung mehrerer Beamten bei Finkelstein Haussuchung hielt und den Sohn Pachs mit sich führte, stellte fest, daß die Angaben des Knaben mit den tatsächlichen Verhältnissen vollständig in Widerspruch standen. Die Untersuchung gegen Finkelstein wurde aber trotzdem fortgesetzt, da selbst von jüdischer Seite eine strenge Untersuchung gewünscht wurde, um den Ungrund der antisemitischen Hetzereien klarzustellen. In einer Audienz, welche die Herren Oberrabbiner Dr. Baeck und Rabbiner De. Nimirower bei dem

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