Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Der Untergang der deutschen Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 495 (sequence 11)
- Language
- German
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Der Untergang der deutschen Inden. 495 mehrung hinter jener der übrigen Bevölkerung Zurückbleiben, zur Grundlage seiner These gemacht. Nichts falscher als dies. Es läßt sich die jüdische Bevölkerung in keiner Weise mit der Gesamtbevölkerung vergleichen, da ihr sozialer Aufbau und ihre berufliche Gliederung grundverschieden sind. Die Juden sind in einer ganz anderen Zusammensetzung in die Neuzeit hineingeschritten, und die Wandlungen, welche ficf' bei ihnen vollzogen haben, weichen wesentlich ab von jenen der übrigen Bevölkerungsschichten. Wir müßten aus der Gesamtbevölkerung eine Schicht herausgreifen, welche eine ähnliche Zusammensetzung aufweist, ähnliche Schicksale durchgemacht hat, wie die jüdische, dann wäre ein Vergleich angebracht. Von judenfeindlicher Seite wird ständig die Geburtenquote der Juden und vor allem ihr Geburtenüberschuß mit dem der Gesamtbevölkerung verglichen und daraus für die Juden ungünstige Schlüsse gezogen. Desto mehr müssen wir uns vor solchen Vergleichen hüte.n, die nur verwirrend wirken. Auch noch auf einer: anderen Irrtum müssen wir Hinweisen, der Theilhaber und anderen, die sich mit der Bevölkerungspolitik der Juden beschäftigen, unterläuft. Sie benutzen in starkem Maße als Grundlage für ihre Schlüsse die sogenannten Geburten-, Sterbe- und Eheziffern, d. h. nicht die absoluten Zahlen der Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen, sondern die Reduktion derselben auf 1000 Juden im Jahre. Im allgemeinen nun gibt diese Berechnungsweise ein annähernd zutreffendes Bild von der Gestaltung der Geburtlichkeit, Sterblichkeit und Ehefrequenz. Bei. den Juden aber müssen wir vorsichtiger sein, weil hier die der Berechnung zugrunde liegende Masse eine anormale Zusammensetzung aufweist. Es sind beispielsweise in dem Jahrfünft 1900/05 sehr viele Leute in höheren Altersklassen eingewandert, die gar nicht mehr für die Bevölkerungsvermehrung in Frage kommen, auch viele unverheiratete Studierende. Es war also die Masse der unproduktiven Personen unverhältnismäßig hoch, dementsprechend sank die Geburtenziffer unverhältnismäßig stärker als dem wirklichen Nachlassen der Geburten entsprach. Ganz anders ist es bei der Gesamtbevötkerung, wo alljährlich eine gleichmäßige Schicht von Per-