Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Der Untergang der deutschen Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 494 (sequence 10)
- Language
- German
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494 Im deutschen Reich. Ob diese Zahlen eine „volkstümliche" Fruchtbarkeit der preußischen Juden darstellen, läßt sich ohne weiteres weder bejahen noch verneinen, sicher aber ist, daß man nicht sagen kann, die preußischen Juden seien unfruchtbar. Die preußischen Juden haben sich vermehrt, gleichzeitig aber sind Teile des jüdischen Bolkskörpers verloren gegangen, so daß die Vermehrung nicht ziffernmäßig in die Erscheinung trat. Noch weiter als Theilhaber geht ein Rezensent seines Werkes im Hamburger „JsraelitischewFamilienblatt", indem er behauptet, daß die Zahl der Juden in Deutschland seit 1905 um etwa 50 000 abgenommen hätte, wenn nicht die Einwanderung dieser Abnahme entgegengewirkt hätte. Diese Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen, da die Ergebnisse der letzten Volkszählung von 1910 mit Ausnahme von Bayern für keinen Bundesstaat mit Ausscheidung nach der Konfession veröffentlicht sind. Theilhaber übersieht ferner, daß die Einwanderer zwar geburtenmehrend wirken, aber andererseits auch die Sterblichkeit erhöhen und dadurch den Geburtenüberschuß herunterdrücken. Denn nicht immer sind es bloß die im kräftigsten Alter stehenden Personen, welche einwandern, sondern zum Teil geht die Einwanderung familienweise vor sich, so daß Kinder und alte Leute, welche von der Sterblichkeit mehr bedroht sürd, zur Masse der Einwanderer gehören — namentlich wenn in fluchtartiger Weise, wie zur Zeit der Pogrome, der Auswandererstrom sich -ergießt. Außerdem ist die Sterblichkeit der Ausländer an sich schon etwas ungünstiger als die der deutschen Juden; daher kommt es, daß die Sterblichkeit der Juden in Deutschland in den letzten Jahrfünften bei weitem nicht so abgenommen hat, als man bei der gesunkenen Geburtenrate hätte erwarten dürfen. - - Bevor wir Theilhabers Ausführungen über die Mortalität der deutschen Juden näher betrachten, wollen wir zuvor noch einige Worte sagen über die Art, wie Theilhaber bald zu Beginn seiner Abhandlung zu dem Schlüsse gelangt ist, daß die. Eigenvermehrung der deutschen Juden eine geringe sei, daß man von einer „volkstümlichen Fruchtbarkeit der deutschen Juden nicht mehr gut reden könne." Er hat die Entwicklung der Juden mit jener der Gesamtbevölkerung verglichen und die Tatsache, daß die deutschen Juden in ihrer Vor-