Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Die Frankfurter "Stiftungs-Universität" und die Gleichberechtigung der deutschen Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 483 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Frankfurter „Stiftungs-Universität" ustv. i8i; liche Ausgestaltung des Vorschlags- und Berufungsrechts in Betracht kommst vollkonimen enttäuschen müssen. Das eine ist die R e d e des Kultusministers b e i m B r e s l a u e r U n i v e r s i L ä t s j u b i l ä u m , die unverkennbar sich gegen die Absicht der Frankfurter Stadtväter richtete, die mit den Mitteln hochherziger Frankfurter Bürger und der Stadt Frankfurt selbst, ohne alle Unterstützung durch den Staat, zu errichtende Universität wenigstens in etwas liberaler und selbständiger zu organisieren. Ob jene Rede unter dem Einfluß der konservativen Reaktion, oder aus eigener Ueberzeugung gehalten wurde, ist gleichgültig, auf alle Fälle beweist sie, daß der preußische Staat, selbst wenn ihm die Mittel dank der Opfer- Willigkeit freier Bürger und einer in diesem Fall vielleicht etwas zu großherzigen Stadtverwaltung, entgegengebracht werden, der städtischen Selbstverwaltung nicht die geringsten Konzessionen zu machen gewillt isst ja eine „freie Universität" nicht einmal dann duldet, wenn, wie im vorliegenden Falle, unter diesem Namen eine Hochschule verstanden wird, die nach ihrer ganzen Ausgestaltung völlig verschieden gewesen wäre von dem, was man gemeiniglich eine „freie Universität" nennt. Hat die Breslauer Rede sich nur in allgemeinen Wendungen gegen den Frankfurter Universitätsplan gewendet, so hat die Unterredung, die gleich nach dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung zwischen Oberbürgermeister und Kultusminister stattfand, die Situation taghell erleuchtet. Höchst sonderbarerweise hat zwar die Frankfurter Presse es nicht gemeldet, wir wissen es aber aus absolut sicheren Quellen: Der Herr Kultusmini st er erklärte dem H e r r it O b e rbürge r m e ist e r, daß die von de r Stadtverordnetenversammlung geforderte U e b e r t r a g u n g d e s für die A ka.de m i e f ü r Sozial- und H a n d e l s w i s s e n s ch a f t e n geltenden B o r s ch l a g s r e ch L s absolut a u s g e s ch l o s s en s e i und daß er nur in d e r V o r a u s s e tz un g e i n e s Verzichts auf diese Bedingung bereit sei, unter Zuziehung von Vertretern der Stadtoerordn e t e n v e r s a m m l u n g weiter zu verhandeln. Er erklärte ferner, daß er unter keinen Um st änden auf das Recht der A u f o k t r o y i e r u n g einer Professur, als ein K r o n r e ch t, verzichten werde.