Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Die Frankfurter "Stiftungs-Universität" und die Gleichberechtigung der deutschen Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 475 (sequence 3)
- Language
- German
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Die iymnffiirliT ,. Sü f u i ng-ö - U rüooesi!äi" usw. 475 liehen Nachfolger durch die Regierung sofort dazu ernannt wurden, muß stutzig machen. Und auch davon hat man vor Jahren in der Frankfurter Zeitung gelesen, daß am gleichen Tage Hermann Oppenheim, einer der hervorragendsten Vertreter der modernen Neurologie, und der bedeutende Kliniker Albert Frankel ihre Privatdozentur niederlegten, weil sie nach jähriger Lehrtätigkeit im Gegensatz 51t zahllosen minderbedeutenden, nicht oder nicht mehr jüdischen Dozenten nicht des Extraordinariats gewürdigt wurden. Daß ans vergangenen Zeiten her noch noenige, an den Fingern einer Hand abzahlbare jüdische Ordinarien vorhanden sind, gibt zu optimistischer Beurteilung dessen, was man von einer neuen: Universität, wofern sie nach preußischem Muster organisiert ist, erwarten darf, durchaus keinen Anlaß. Hierzu kam, daß gerade in den letzten Jahren mehr als einmal in aller Oeffentlichkeit Klagen über Zurücksetzung der Juden in bestimmten Teilen der städtischen Verwaltung laut wurden. Außerhalb Frankfurts erzählte inan sich schon vor längeren Jahren, daß ein bekannter Professor für innere Medizin, der, damals noch Jude, heute nach der Taufe längst Ordinarius einer preußischen Universität, sich um die Chesarztstelle am hiesigen städtischen Krankenhause bewarb, durchsicl, weil am städtischen Krankenhaus bereits ein Jude Abteiluugsches war. Daß in Frankfurt ein derartiger Gesichtspunkt Bedeutung hat, beweist eine von vertrauenswürdige: Zeugen verbürgte Antwort, die von beteiligter Seite einem Manne gegeben wurde, der sich darüber aushielt, daß von den sämtlichen jüdischen Bewerbern um Me Chefarztstellen der vor wenigen Jahren neu: geschaffenen Spezialabteilungen am Krankenhaus auch nicht einer gewählt wurde. Die Tatsache, daß aus der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses seit etwa 12 Jahren kein Jude als Assistent ankommen konnte, ist in diesen Blättern mehr als einmal betont worden. Es gehört eben zum guten Tone, daß Juden an chirurgischen Universitäts-Abteilungen in Preußen nur ausnahmsweise als Assistenteu angestellt werden. Vielleicht will man der Oeffentlichkeit einen bedeutsamen Vorgeschmack von der an der Universität 511 erwartenden Parität geben.