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Im deutschen Reich · 1911-09-01 · Heft 9 (September 1911) · p. 474

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 9 (September 1911)
Article
Die Frankfurter "Stiftungs-Universität" und die Gleichberechtigung der deutschen Juden
Date
1911-09-01
Page
474 (sequence 2)
Language
German
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474 Im deutschen Reich. Jahrzehnten, bk Ende 1909, für akademische Zwecke gestifteten Mittel 5unt allergrößten Seife von Inden, oder — zu einen; kleinen Teil auch von getauften Juden gestiftet worden waren, als der Hinblick auf die Zustände an den preußischen und den meisten anderen deutschen Universitäten gab ihnen Veranlassung dazu. Man weiß, daß in Preußen ein Jude, wenn er nicht gerade Astronom oder Mathematiker war Vertreter dieser Disziplinen scheinen in den letzten Jahrzehnten besonders zahlreich aus jüdischen Kreisen hervorgegangen zu sein — die Möglichkeit, Ordinarius zu werden, ungefähr ebensowenig hat, wie die, Reserveoffizier zu werden. Mau erinnert sich des tragischen Endes des Nationalökonomen Adler in Kiel, der die Zurücksetzung, welche er als Jude erfuhr, nicht länger tragen konnte, erinnert sich auch, daß seit über 20 Jahren kein Jude ordentlicher Professor der Medizin geworden ist, während man doch gerade in Frankfurt die hervorragenden Leistungen jüdischer Mediziner für die deutsche Wissenschaft aus unmittelbarster Nähe kennt. Auch von manchen Vorgängen bei der Besetzung medizinischer Lehrstühle hat man in Frankfurt Kenntnis: Als Hermann Munk s. Zt. von der Berliner Fakultät als Nachfolger für den verstorbenen Physiologen Dubois-Reymond vorgeschlagen war, hat die Regierung nicht einmal mit ihm verhandelt. Auch die charakteristische Tatsache, daß, als Zuntz in Breslau zum Ordinarius der Physiologie vorgeschlagen war, der Anatom Hasse, und zwar mit Erfolg, sein jüdisches Aussehen monierte — woraus übrigens der verstorbene Internist Professor Käst sagte: „Ich denke, wir wollen die Professur für Physiologie besetzen und nicht eine Solotünzerstelle an der Oper" — ist bekannt. Vielleicht war auch nach Frankfurt durchgesickert, daß, als ein hervorragender christlicher Ordinarius den bei weitem bedeutendsten Physiologen der Jetztzeit, Jacques Löb, für den Berliner Lehrstuhl Vorschlag, er sofort mit dem Bemerken „der ist ja Jude" ab gefertigt wurde und daß Löb heute im freien Amerika einen Lehrstuhl ziert. Die für die Fakultäten und das Kultusministerium gleich beschämende Zurücksetzung von Männern, wi" Hinoch, des Schöpfers der modernen Kinderheilkunde, Hermann Senator, des vielseitigen internen Klinikers, die beide nicht Ordinarius werden durften, während ihre gewiß nicht bedeutenderen christ-

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