Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 435 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 435 von ihren Führern errang fein einziger ein Mandat. Durchgefallen sind die obersten Parteileiter: Prinz Alois Liechtenstein und Dr. Geßmann, der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses, Dr. Pattai, Handelsminister Dr. Weißkirchner, der ehemalige Eisenbahnminister Wittel, der Bürgermeister von Wien, Dr. Neumaper, der Vizebürgermeister Hierhammer, servier Steiner, Sturm und Kunschak. In den Provinzen hatten die Klerikalen ebenfalls erhebliche Verluste zu verzeichnen, so daß mm der „D e u t s eh e N ationa l v e r b a n d" die stärkste Partei im Parlament bilden wird. Das ist unverkennbar eine Folge der Korruption in der christlich-sozialen Partei, deren Zerfall nach dem Tode Luegers begonnen, seitdem reißende Fortschritte gemacht hat, aber zunächst nur dem Deutsch-Nationalverband zustatten kommt, der von seinen politischen Gegnern, leider n u r mit U n r echt, vielfach als Vereinigung der „Iudenliberalen" bezeichnet worden ist. Dieser Verband, dein sich die „Deutsche Fortschrittspartei", die „Deutsch-Nationalen" und die „Deutsche Volkspartei" angeschlossen haben, umfaßt größtenteils antisemitische Elemente, darunter rabiate Antisemiten mie K. H. Wolf und Jro. Den beiden jüdischen liberalen Vertretern Wiens, dem Hofrat Kuranda und dem Dr. Ofner hat er die Aufnahme versagt. Wenn sich trotzdem die WienM „Neue Freie Presse" für den Verband mit Feuereifer ins Zeug legt, erklärt sich dies auch der bisherigen Macht der Christlich-Sozialen und der von liberaler Seite nusgegebenen zündenden Losung: „Wien nt u ß h e r a u s a n s d e m S n m p f!" Darüber ist kein Zweifel, daß auch das deutsche Volk in seiner weitaus größten Mehrheit der antiseniitischen Hetzer überdrüssig ist, daß es zwar friedensbedürftig ist, aber den Kampf nicht scheut, der sich gegen die Schädlinge, gleichviel wo sie stehen, richtet. Es hat genug von den konservativen Heißspornen ertragen und wird es lticfjt vergessen, daß die radikalen Antisemiten nicht nur jedem Nückschritrler als Knappen dienten, sondern auch beständig auf die schlimmsten Instinkte der Massen spekulierten, gleichviel ob dabei die Giftpfeile weit über die zunächst bedrohten Juden hinaus die Stellen gefährdeten, als deren treueste Anhänger sie sich aufspielen. Und für den Fall, daß sic befürchteten, das Spiel zu verlieren, waren die Rüeksthrittler auch stets bereit, den Frieden nach außen