Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 436 (sequence 10)
- Language
- German
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436 Im bcnt|fl)cii Reich. preiszugeben, um unter dem Aufschwung nationaler Begeisterung ihre eigenen Parteizwecke wieder zu fördern. Ein Beispiel dafür bietet die 'Art, wie die „Staatsbürger-Zeitung" in letzter Zeit sich über die russische Aegierungsxolitrk äußert, die sie als „eine Politik der Willkür und des Chauvinismus" bezeichnet, die 51t „einer allgemeinen -Verhetzung des gesamteil Volkes" fiihren müsse. Der Antisemitenmoniteur meint, der leitende russische Staatsmann Stolypin sei es „sowohl der russischen Volksvertretung wie den parlamentarischell Gepflogenheiten der Kulturwelt schuldig, ohne weiteres von seinem Amte zurückzutreten, um dieses jemandem zu überlassen, der mit weniger Skrupellosigkeit, Zynismus, Verachtung der Wahrheit und Verletzung parlamentarischer knie rechtlicher Formen die Würde eines großen Reiches zu wahren wüßte." So schreibt ein Blatt, das urplötzlich, sich gegen die „V 0 l k s v e r h e tz u n g wendet, die doch die Quintessenz des Antisemitismus ist. Die „Staatsbürger-Zeitung" macht sie dem russischen Staatsmann Stolypin zum Vorwurf, obgleich sie diesen Minister unzählige Male gepriesen hat, wenn er etwas gegen die Juden veranlaßte, was häufig genug geschah und noch geschieht. Ihr, die stets mit der Reaktion geht, geliügt es eben, daß dieser Minister es neuerdings mit der äußersten Rechten der russischen Duma verdorben hat. Der Spezialkorrespondent des Berliner Börsen-Couriers, Hermann Bernstein, der kürzlich einen interessanten Bericht über ein Interview mit dem liberalsten der russischen Staatsmänner, dem Finanzminister Kokowzew, veröffentlichte, erklärte, er habe aus seinen Unterhaltungen mit einer großen Zahl angesehener russischer Staatsmänner die Ueberzeugung gewonnen, daß die' Lage der Juden in Rußland niemals so ungünstig wie jetzt gewesen sei. Fortwährend kommt es besonders in ländlichen Distrikten zu ernsten Ausschreitungen der Bauern gegen die Juden, die, auf den mangelhaften Schlitz der polizeilichen Organe angewiesen, in steter Sorge um Hab und Gut und um ihr Leben sind. Die jahrelange Volksverhetzung hat die nicht von den Juden, sondern von der wüsten Satrapenwirtschast in ben Provinzen ausgesogene Bauernschaft so verwildert, daß Plünderung, Brandstiftung