Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 430 (sequence 4)
- Language
- German
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430 Im deutschen Reich. stimmten, der nur mit 4 Stimmen Mehrheit gewählt wurde." Zn der bei einer Reichstagsersatzwahl in Bernburg-Coethen in einem Flugblatte der sogenannten Mittelstandspartei ausgesprochenen Mahnung, Mann für Mann für den Sozialdemokraten zu stimmen, schrieb Or. Bö ckel in seinem „Reichsherold" vom 20. November 1894: „Das ist sehr vernünftig. Alle a n ti kapi t a l isti s ch e n Parteien müssen unter den gegenwärtigen Verhältnissen bei Wahlen stramm Zusammenhalten, um die Wahl eines Kapitalvertreters zu verhindern!" Anläßlich einer Reichstagsersatzwahl in Westhavelland hieß es in der „Deutschen Bolkswacht" der antisemitischen Abgg. Hirschel und Köhler am 8. August 1896: „Die Wahl des Sozialdemokraten scheint gesichert, was weiter kein Schaden ist." Diesen Anschauungen huldigt die antisemitische Partei auch Heute noch; denn die „Deutschsozialen Blätter" haben am 22. April dieses Jahres die Losung ausgegeben, bei Stichwahlen zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten für letztere einzutreten und ausdrücklich erklärt: „Eine starke Sozialdemokratie ist ungefährlich, solange — ihr nur ein schwacher Liberalismus zur Seite steht. Die rote Gefahr muß durch einen indirekten Stoß getroffen und abgewehrt werden. Das erfordert weniger starke Männer als kluge Taktiker. Und die hat es auf der rechten Seite in schwierigen Fällen noch stets gegeben." Wir lassen es unerörtert, wie weit diese Taktik bei Wahlangelegenheiten Berechtigung hat; auch andere Parteien haben es oft für erwünscht gehalten, daß Sozialdemokraten bei Wahlen unterstützt würden, aber sie haben sich nie gleichzeitig den Konservativen itnb der Staatsregierung als den zuverlässigsten Sturmbock gegen die sozialdemokratische Partei empfohlen und deren Bekämpfung als einen Hauptpunkt ihres Parteiprogramms hingestellt. Die Unzuverlässigkeit der Antisemiten als Anhängsel der Konservativen wird den letzteren bei der Agitation im Wahlkreise Arnswcrlöe-Frieöeberg klar vor die Augen' geführt. Selbst die antisemitisch angehauchte „Deutsche Tageszeitung" ist über die Agitationsweise des Reichstagsabgeordneten Bruhn in diesem