Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Der Judenleibzoll
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 426 (sequence 10)
- Language
- German
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426 Im deutschen Reich. auch unbillig gewesen seyn würde, eine Abgabe aufzuheben, die -auf Fremden ruhte, wahrend daß die hiesigen eingeborenen Juden auswärts überall damit belastet gewesen wären, so beschränkte man sich auf eine partikular-Uebereinkunft mit einigen Nachbaren, und eine allgemeine Verfügung mußte unterbleiben. Nachdem aber nunmehr in mehreren zum teil sehr ansehnlichen Staaten Deutschlands mit der Unseres Orts beabsichtigten Einrichtung der Vorgang gemacht worden, indessen solche aus dem linken Rheinufer nach den Gesetzen der französischen Republik ohne dies besteht, so finden wir nun weiter keinen Anstand hierin, der Neigung Unseres Herzens zu folgen und verordnen sonach, daß in Unserm Lande der Leibzoll vom 1. November laufenden Jahres gänzlich aufgehoben sein solle. P. Breidenbach blieb bei diesen Erfolgen nicht stehen; es widerstrebten noch einige Regierungen, und so mußte Breidenbach längeren Aufenthalt in Regensburg nehmen. Dort tagte die Reichsdeputation, um den Fürsten, welche durch den Frieden zu Luneville Länder verloren hatten, möglichst Ersatz zu geben. Der Reichskanzler Karl von Dalberg unterstützte Breidenbach aufs kräftigste. Jedoch sah Breidenbach ein, daß es mit dem persönlichen Einfluß allein nicht zu machen sei. In einem Aufrufe, der nicht einmal seinen Namen trägt, wendet er sich an wohlhabende Glaubensbrüder und Gemeinden. Den Hauptinhalt des mit hebräischen Lettern gedruckten Aufrufes gibt Grätz XI wieder: „Es erfordert nicht nur Reisekosten, Spesen, fähige Arbeiter und dergleichen. Es erfordert zuverlässig, daß wir hier und da ein Opfer aus dankbarem Gefühl für Arme oder Armenkassen offerieren, erfordert billig, für jene edelmütigen Fürsten auch schöne Denkmäler zum ewigen Andenken ihres Edelmuts zu stiften, es erfordert also eine Kasse. Einer eurer Brüder, aufgefordert von einem großen und ansehnlichen Teil unserer Nation, ist es, der um Beiträge zu dieser löblichen und schönen Stiftung, zur Bestreitung obiger Kosten und Opfer — euch allesamt als Menschen, als Kaufleute und Familienväter ausfordert."