Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Der Judenleibzoll
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 424 (sequence 8)
- Language
- German
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424 Im deutschen Reich. Unserer Untertanen eine Auflage exsistieren zu lassen, welche den Stand der Menschen schändet, so haben Wir solche hiermit abschaffen wollen." — Als nach dem Frieden von Luneville 1801 die französische Armee das rechte Rheinufer verlassen hatte, erhielt der Regierungskommissar der französischen Republik von Jollivet von allen Seiten die bittersten Klagen über erneute Anwendung des Leibzolls gegenüber französischen Bürgern. Jollivet ersuchte die französischen Gesandten um ernstliche Vorstellungen an den betreffenden Höfen, daß niemand über die Grundsätze der Republik in Ungewißheit sei. Baden erließ den Leibzoll am 20. Januar 1804 „vorzüglich auf Betreiben des Herrn Israel Jacobson". In Dänemark war der Leibzoll schon längst abgeschafft; am 16. September 1803 resolvierte noch der König, daß auch noch das in Kiel gebräuchliche Schutzgeld von 16 Schilling, welches die Juden, die außer den Marktzeiten dort übernachteten, erlegen müssen, künftig wegfallen solle. Zweien Israeliten war es Vorbehalten, das Joch des Leibzolles von ihren Glaubensbrüdern zu nehmen und die großen geistigen und materiellen Güter, mit denen ein gütiges Geschick sie bedacht hatte, für die Unterdrückten zu verwenden. Es waren dieses Israel Jacobson in Braunschweig und Wolf Breidenbach in Offenbach. 'Strengste Gewissenhaftigkeit und hingebendste Treue, Takt und Gewandheit im Verkehr öffneten Breidenbach die Türen der Fürsten und Standesherren, deren Vertrauensmann er in Geld- und Juwelenangelegenheiten wurde. Letzteres Geschäft führte ihn auch oft an den Kasseler Hof, wo er 1795 zum Hoffaktor ernannt wurde, nachdem ihm verschiedene süddeutsche Höfe gleiche oder ähnliche Ehrenbezeugung erwiesen hatten. Bei aller geschäftlichen Inanspruchnahme vergaß Breidenbach nicht des Studiums seiner Jugend;, es wird noch festzustellen sein, welche Arbeit er bei der Herausgabe des Haidenheinschen Machsors geleistet. Jedoch eins lag Breidenbach sehr am Herzen — von seinen Brüdern den Leibzoll zu nehmen. Dieses war ihm möglich, da er Hausfreund bei den Fürsten zu Meuburg-Birstein, dem Großherzog Ludwig I. von Darmstadt und bei vielen anderen: Standesherren jener Gegend war. Es war ein schweres Werk, das Breidenbach vollenden wollte. Bei allem Wohlwollen, das ihm die Regenten bezeigten, war es die Finanzfrage, die