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Im deutschen Reich · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. 416

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Die Tierschutzvereine und das "Schächten"
Date
1911-07-01
Page
416 (sequence 5)
Language
German
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416 Im deutschen Reich. aber die Tiere mußte man melken lassen, weil die Ueberfüllung des Euters den Tieren Schmerzen bereitet*). „Jede Kastration ist nicht nur verboten, sondern es ist sogar untersagt, Tiere an jemand zu verkaufen, bei welchem die Vorrtahme dieser Verstümmelung zu erwarten ist." In den späteren nachbiblischen Gesetzen war geboten, daß ein Tierhalter sich erst dann zum Mahle setzen durfte, wenn die Tiere vorher gefüttert waren. Auch durfte kein Tier unnötigerweise der Freiheit beraubt werden, weshalb auch in früherer Zeit das Halten von Singvögeln in Käfigen untersagt war. In den Sprüchen Salomonis (12, 10) heißt es: „Der Gerechte erbarmt sich des Viehes, aber das Herz des Gottlosen ist unbarmherzig." Aus dem Neuen Testament entnehme ich folgende tierfreundliche Sentenzen: (Matthäi 6, 26): „Seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, aber euer himmlischer Vater ernährt sie doch." (Johannis 10, 1—14): „Der gute Hirte geht dem verlorenen Schafe nach, suchet es, legt's auf seine Schultern und trägt es heim mit Freuden. Der treue Hirte läßt sein Leben für die Schafe." (Matthäi 12, 11- Lukas 13, 15): „Wer ist unter euch, dem sein Schaf in die Grube fällt am Sabbath, der es nicht ergreife und aufhole?" (Römer 8, 19—23): „Jede Kreatur — also auch die Tierwelt — harret auf die Freiheit der Kinder Gottes, als auf eine Zeit, in der es weder Leid noch Schmerz mehr gibt, in der die Menschheit eine solche sittliche Vollkommenheit erlangt haben wird, daß alle Grausamkeit ein Ende habe." Es ist auch bezeichnend für die Bibel, daß es in der Ursprache keinen Ausdruck für „Fressen und Saufen" gibt. Das Tier „ißt und trinkt", wie der Mensch. Ein Tier trinkt nie über den Durst, was man nicht immer von den Menschen sagen kann. *) Es ist eine noch jetzt vorkommende Tierquälerei, wenn man Kühe, nur um den Käufer zu täuschen, ungemolken zu Markte führt, wodurch dem Tiere unerträgliche Schmerzen verursacht werden.

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