Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. 405

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Ein offener Brief
Date
1911-07-01
Page
405 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316812-2344924--21718-2345025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ein offener Brief. 405 Wohl der Menschheit und für Recht und Freiheit der Frau entziehen. Daneben aber müssen sie sich für das Recht der Gemeinschaft einfetzen, der sie entstammen und die so recht- und glücklos und leidbeladen ist. Solange ein Morris Rosenfeld von den unglückseligen russischen Rückwanderern noch sagen kann: „Denn wir sind Juden, armselige Juden, Ohne Freund, ohne Freud, ohne Hoffnung auf Glück. Fragt uns nicht! — Doch wollt ihr es wissen: Amerika schickt uns nach Rußland zurück!" Solange man noch Juden wie Hunde hetzt und sie niederschießt wie wilde Tiere, solange man uns allewege Recht und Gerechtigkeit versagt, solange hat der Jude und die jüdische Frau und jene erst recht, die nicht leiden, nicht unterdrückt und nicht verfolgt werden, die heilige Pflicht, sich für seine Glaubensgenossen einzusetzen. Da wandert seit Jahren eine jüdische Frau durch die Welt und wirkt und waltet allerorten und setzt sich ein gegen jedes Unrecht und für jedes Recht, und am tiefsten und rückhaltlosesten für Recht und Pflicht des Judentums. Bertha- Pappenheim ist ein zarter und zerbrechlicher Mensch. Aber ein starkes Wollen wohnt in ihr und eine opferbereite Liebe zum Judentum. Nicht jede Frau kann eine Bertha Pappenheim sein, aber jede kann ihre Schuldigkeit tun, in ihrem Teil, nach ihrer Kraft! Da ist der Central-Verein. Du erinnerst Dich vielleicht, daß ich bei Gelegenheit einer Barmizwahfeier kurz nach der Gründung des^ Central-Vereins in Frankfurt das erste halbe Dutzend Mitglieder geworben habe. Damals konnten Frauen an solchen Kampfvereineu noch nicht teilnehmen, und darum mußte man sich daran gellügen lassen, das Interesse der Männer an dieser legitimen Interessenvertretung des Judentunls zu erwecken. Heute ist das anders. Seit dem Mai des Jahres 1908 haben wir Frauen das Recht, uns an öffentlichen Vereinen, das heißt also am politischen Kampf, am Kampf um Recht und Gerechtigkeit zu beteiligen. Wenn bn mich daher heute fragst: was kann ich tuen, um auch an meinem Teil im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.