Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Ein offener Brief
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Im deutschen %leid). Kampf um das Recht des Judentums mitzuwirken? so antworte ich Dir: Es genügt nicht, daß du dich selbst so erziehst, daß in Dir die bescheidene Zurückhaltung sich mit der Würde und Sicherheit des aus sichselbstgestellten, innerlich freien und unabhängigen Menschen paare. Es genügt ferner nicht, daß Du Deine Kinder zu lebenstüchtigen, wackeren und aufrechten Menschen erziehst und sie mit dem berechtigten Stolz erfüllst, den der empfinden darf, der einer hart kämpfenden, alten KulLnrgemeinschast angehört. Auch Du, Du selbst, mußt mitten hinein in den Kamps, in diesen Kampf um Recht und Gerechtigkeit. Du sagst, Dein Mann sei bereits Mitglied? Was tuUs? Sind wir Frauen denn nicht auch, gleich unseren Männern, Mitglieder im Lebenskampf? Sind wir nicht zu Millionen in den Erwerb gestellt? Sind wir nicht voll verpflichtet, und voll verantwortlich, auch dem Gesetz? Wir ringen auf Grund aller dieser Tatsachenreihen mit Fug um unser Bürgerrecht, um die bürgerliche und politische Gleichstellung mit den Männern. Sollen — dürfen wir da gleichgültig zurnckstehen in einer Sache, die wir Schulter an Schulter mit unseren Männern vertreten können und darum vertreten müssen? . ' ' ‘ j Nein, das wäre unwürdig. Wir sind nicht nur Frauen, wir sind jüdische Frauen. Und solange dies Beiwort noch eine herabsetzende Unterscheidung umschließt, solange dürfen wir nicht ablassen vom Kampf. Darum noch einmal: Frauen an die Front! Manu und Frau, Seite an Seite, eine Doppelzahl, ein doppeltes Gewicht aus jedem Haus! Und unermüdlich Agitation von Mensch zu Mensch! Und eine klare Selbstbesinnung, die uns die rechten Wege weist. Und nicht eher darf Rühe werden, als bis alle Juden, Männer und Frauen, einmütig zusammenstehen. Eine imposante Heerschau, die nicht ruht und nicht rastet, bis sie dem Judentum sein Bürgerrecht in Wirklichkeit erkämpft, das geschriebene in lebendiges Recht umgewandelt hat. Keine Furcht endlich, daß uns das vom Deutschtum abführen könne.