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Im deutschen Reich · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. 404

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Ein offener Brief
Date
1911-07-01
Page
404 (sequence 4)
Language
German
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404 Im deutschen Reich. nicht liebt und wer uns nicht einmal Gerechtigkeit widerfahren lassen will, der lerne uns fürchten. Es gibt Menschen, denen imponiert nur die Logik der Faust oder die Kraft der Lungen. Im Kampfe heißt es aber, sich auf die Kampfesweise des Gegners einstellen. Haut er — so hauen wir wieder! Schreit er — schreien können wir auch. Auf einen Schelmen anderthalbe! Und ein anderes tut not. Wir müssen, wenn das Interesse unseres Verteidigungskampfes das so will, auch die allzeit hilfbereite jüdische Hand schließen lernen. Tun wir das nicht, so werden wir, wie Dr. Löwenthal neulich mit Bezugnahme auf die beabsichtigte Frankfurter Universität ausführte, zum Schaden auch noch den Spott ernten. Jüdisches Geld und jüdische Hilfsbereitschaft sollte nur dann und nur da in Aktion treten, wo Sicherheiten gegeben werden, daß der Jude (und nicht nur auf dem Papier) allen anderen gleichgeordnet und mit ihnen gleichberechtigt ist. Anderes Verhalten, ein Hingeben jüdischen Geldes und jüdischer Hilfe da, wo man wohl fein Geld und seine Hilfeleistung, nicht aber den Juden selbst mag, bekundet einen bedauerlichen Mangel an Selbstschätzung. Es bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf ein Erziehungsmittel unvergleichlicher Art, dessen Wesen so klar am Tage liegt, daß ein näheres Eingehen überflüssig ist. So haben wir nun einen Teil der Aufgaben gewürdigt, die die Frauen im Kampf um das Recht des Judentums zu erfüllen haben. Es gibt andere, die hinausweisen in den Männerkampf, in die Arena des öffentlichen Lebens. Von ihnen soll nun die Rede sein. Längst schon stehen jüdische Frauen im Kampfe des Tages und setzen sich ein für Menscheufreiheit und Frauenrecht. Viele von ihnen stehen an hervorragender Stelle, und ihre Stimme wird weithin gehört. Fragt mau sie aber: was hast hu für das Judentum getan? Oder was willst du für jene Gemeinschaft tun, aus der du hervorgegangen bist, der du das Erbe deiner Fähigkeit verdankst? dann zucken sie wohl die Achseln und meinen: „Ich habe stets als Frau gelitten, als Jüdin niemals!" Das muß anders werden, denn ich sage es noch einmal: Noblesse oblige! Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern! Jene Hochragenden sollen sich nicht dem Kampf für Recht und

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