Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Ein offener Brief
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 403 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein offener Brief. 403 Wie würdelos, einen Berkehr nur darum zu suchen, weil er „christlich" ist? Wie würdelos, besonders für seine Kinder solchen Verkehr zu bevorzugen oder sie in Schulen zu schicken, die zwar „im allgemeinen" jüdische Schüler nicht aufnehmen, aber in dem „vorliegenden Sonderfall" und in Ansehung gerade „dieser Familie" eine Ausnahme machen wollen. Damit hat man sich denn glücklich bescheinigen lassen, daß das Judentum eine minderwertige Sache sei, deren man sich im Grunde seines Herzens zu schämen habe. Und die Selbsterniedrigung geht so weit, daß man sich noch einer Sonderstellung freut, die der rechte Mensch weit von sich weisen würde. . Die solches Lun, schlagen sich selbst ins Gesicht. Aber sie Lun noch Schlimmeres. Sie vergiften die Jugend ihrer Kinder und legen den Grund zur künftigen Fahnenflucht und Ehrlosigkeit. Denn sie lehren das Kind, seine eigene Abstammung zu verachten, wenn nicht zu schmähen. Und sie lehren es, das Judentum als eine Bürde, oder, um mit Heine zu reden, als ein Unglück zu empfinden. Haben wir das nötig? Dürfen nicht die Erben einer Kultur, die die größten Geister hervorgebracht und die Kulturen aller Zeiten und Völker befruchtet hat: dürfen die nicht den Kopf hoch tragen? Und die Erben der Makkabäer und jener Juden, die als Helden in Tod und Verbannung gingen um ihres Glaubens willen; dürfen die sich feige dieses selben Glaubens, dieser Volkszugehörigkeit schämen? Nein! und dreimal nein! Aber sie dürfen und sie sollen stolz auf dies Erbe der Vergangenheit sein. Und für sich neu erringen sollen sie es, es wehren und mehren! Darum ihr Mütter an die Front, ihr jüdischen Mütter! Erzieht eure Kinder zu ganzen Menschen! Lasset sie. turnen und wandern, spielen und froh sein. Lasset sie streben und lernen! doppelt streben und lernen, weil sie es als Juden schwerer haben werden, als die anderen, weil sie als Juden mehr leisten müssen, als die anderen, um sich das gleiche Maß der Anerkennung zu erzwingen, doppelt streben und lernen, weil ihr Kulturerbe ihnen doppelte Pflichten auferlegt. Noblesse oblige! Aber sagt ihnen auch, daß sie sich nichts gefallen lassen sollen. Machet sie wehrtüchtig an Leib und Seele und erzieht sie zur Kampfesfreudigkeit der alten Makkabäer. Wer uns