Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Stellung der Juden im Heere
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 396 (sequence 4)
- Language
- German
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396 Im deutschen Reich. hat. Als ihm über einen Fall von Zurücksetzung berichtet wurde — er betraf einen jüdischen Einjährigen nicht eben weit von Frankfurt a. M. — hat er dem Kriegsminister v. Einem ausdrücklich gesagt, daß er das bedauere und daß es bei der Beförderung zum Reserveoffizier nicht auf die Konfession, sondern nur ans die militärische Tüchtigkeit ankomme. Diese Aeußeruug des Kaisers ist natürlich kein Geheimnis geblieben, und im letzten Herbst haben auch vierzehn jüdische Einjährige das Offiziersexamen bestanden. Was weiter aus ihnen wird, steht allerdings noch dahin. Von den Parteien des Reichstags hat sich früher nur die Linke für die Frage interessiert. Aber die Aufklärungsarbeit des Verbandes und des Central-Vereins hat dahin geführt, daß nunmehr auch Zentrum und Nationaltiberale urtö sogar die Freikonservativen die Beschwerden der Juden anerkannt haben. Darauf hat der Kriegsminister v. Heeringeu, seine frühere Stellungnahme verbessernd, erklärt, daß er eine Zurücksetzung, die auf bewußte oder unbewußte antisemitische Regungen zurückzuführen sei, mißbilligen müsse. Für die Juden folgt aus dem jetzigen Stand der Dinge, daß sie in ihrem Kampf um die Erlangung der Gleichberechtigung nicht Nachlassen dürfen. Jeder hat seiner Militärpflicht zu genügen, jeder hat sich hierbei auf das äußerste n u z u st r e n g e n, um den allerstrengsten Anforderungen gerecht zu werden. Jeder aber muß bemüht sein, wenn er sich dazu eignet, auch das Ehrenamt des Offiziers zu erreichen. Wird er unbegründet zurückgesetzt, so hat er das Recht der Beschwerde. Er möge sich getrost an uns wenden; mir werden, wie bisher, jeden einzelnen Fall, der gemeldet wird, einer eingehenden Prüfung unterziehen und in den geeigneten Fällen alles dazu tun, daß die Beschwerden bis zur obersten Instanz geführt werden. Wenn wir diesen Kampf führen, so tun wir das nicht um Vorteile, die uns zufallen sollen, sondern um des Rechtes willen, dem auf die Dauer nicht eine wächserne Nase gedreht werden darf. Wir wollen das Recht und nichts als das Recht. Nach anhaltendem stiirmifchen Beifall nahm Rechtsa n w a l t Dr. A l bert L ö w e n t h a l - F r a n k f n r t das Wort: