Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Stellung der Juden im Heere
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 395 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Stellung der Juden im Heere. 395 ausnahmsweise ein Einjähriger alte diese Klippen glücklich umschifft, dann wird er nicht zur Wahl gestellt. Will man den einzelnen Fällen auf den Grund gehen, so erhält inan Auskünfte, die mehr oder weniger Ausflüchte sind. Wie muß dieser Z w a n g z u h a l b w ah r e n und n n w a h r e n Erklärungen auf die Vorgesetzten wirken! Wahrlich, wüßte man nicht, wie sich das Offizierkorps im Felde bewährt hat, man könnte manchmal an der Zukunft des deutschen Heeres verzweifeln! (Lebhafte Zustimmung.) Es gibt freilich auch eine Anzahl von Offizieren, denen dieses Verhalten zuwider ist; sie wollen nicht genötigt sein, unwahre Auskünfte über die Leistung des Aspiranten zu machen. Es widerspricht ihrer geraden Mannesart, wenn sie sich um eine Erklärung herumdrücken müssen, und so ist Aspiranten teils mit klaren Worten, teils verblümt, mitgeteilt worden, daß er das Ziel n u r it m sein e s G l aubens w i l l e n n i ch t erreichen k ö n n e. (Beivegung.) Mitunter wird auch direkt zur Taufe ausgefordert. Nun wissen wir nicht, wie es in einem solchen Täufling innerlich aussieht und ob er sich innerlich ändert, äußerlich verändert er sich jedenfalls gar nicht (Heiterkeit.), und wenn nach dem Schmachwort der Antisemiten jüdische Offiziere „die Front verschänden", so müßten sie das auch nach der Taufe tun. (Zustimmung.) Und wie stellt sich die Aufsichtsbehörde zu der Zurücksetzung der Juden im Heere? Der Kriegsminister v. Einem hat am 23. März 1903 im Reichstag erklärt, „Sie können jedem sagen, der es hören will, daß die jüdische Religion unter keinen Umständen einen Grund abgeben kann, Juden nicht zu befördern. Vielleicht", so setzte er ahnungsvoll hinzu, „werde ich um dieser Worte willen kolossal angegriffen." — Wenige Wochen darauf war Herr v. Einem nicht m ehr Krieg s.m i n i st e r. Sein Nachfolger, General v. Heeringen, hat dann davon gesprochen, daß die Persönlichkeit des Offiziers achtunggebietend sein müsse, unb hinzugefügt, daß in dieser Beziehung in unserem „niederen Volk" hier und da Vorurteile gegen die Juden bestehen. Das „niedere Volk" hat aber bekanntlich nicht den mindesten Einfluß auf die Wahl der Offiziere. (Heiterkeit imd Zustimmung.) Wenig bekannt ist, in welcher Weise der Kaiser außer in seiner Kabinetts order Stellung zu der Frage genommen