Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Stellung der Juden im Heere
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
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394 Im deutschen Reich. die Menge der Kränkungen, die wohl alle Juden int Laufe ihres Dienstes zu ertragen haben. Aber wie dem auch sein mag: wir empfinden die Zurücksetzung jedes einzelnen Soldaten, welchen Grad er haben mag, aufs schmerzlichste und gehen jedem Fall nach bestem Können nach. Während die deutsche Armee keinen einzigen jüdischen Offizier zählt, haben Oesterreich, Italien, Frankreich, England, Amerika Hunderte von höhen und höchsten Offizieren jüdischen Glaubens. Sogar in der russischen Armee haben im letzten Krieg jüdische Offiziere mit Anerkennung gefochten. In den Befreiungskriegen haben sich 01/2 % der militärfähigen Juden Preußens freiwillig gemeldet, und viele sind als Offiziere aus dem Kampfe heimgekommen. Die Generalordens-- kommission hat im Jahre 1847 dem Vereinigten Landtag mitgeteilt, daß der e r st e Kriege?,, der 1813 das Eiserne Kreuz bekam, ein Jude namens Günzberg war. Das war zu einer Zeit, da die Juden noch gar nicht militärpflichtig waren. 1864, 1866, 1870 haben vollends Tausende von Juden für ihr Vaterland gefachten, und eine große Anzahl hat den Offiziersdegen erworben. Erst seit dem Jahre 1879, dein Geburtsjahr der antisemitischen Bewegung, fand man, daß die Juden sich nicht zum Offiziersdienst „eignen". Obwohl die Verfassung die Gleichberechtigung ausspricht, und obwohl eine Kabinetts- Order des obersten Kriegsherrn eine Zurücksetzung wegen der Konfession ausdrücklich verbietet, haben die „unteren Kriegs Herr en", die Offiziere, seit dem Jahre 1879 keinen jüdischen Kameraden mehr zugelassen. Die Ausscheidung der Juden geschieht in der Weise, daß in den einzelnen Stadien, die der Einjährige dnrchzumachen hat, bis er zur Offizierswahl gestellt wird, ihm alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt werden. Oft werden die Einjährigen nicht einmal zur Ausbildung für den Offiziersdienst zugelassen, viele werden nicht zum Gefreiten oder zum Unteroffizier befördert. Gar manche von denen, die dennoch zum Offiziersexamen zugelassen werden, verlassen dieses ohne die Qualifikation. Weiter geben die Hebungen A und B Gelegenheit zu Zurücksetzungen, weil es bei diesen Hebungen ja nur auf die „Aeußerung" irgendeiner Dienststelle ankommt, die nicht verpflichtet ist. Gründe für ihre Beurteilung anzugeben. Hat aber endlich einmal