Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die konfessionelle Hetze der deutschen Agrarier
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 389 (sequence 6)
- Language
- German
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SDLc foufcffiouclle Hohe der deutschen Agrarier. 389 gebildet" sind, schlagen in den kleineren dörflichen Versammlungen natürlich noch ganz andere Töne an, da sie sicher sind, daß nur selten hierüber etwas an die breitere Oeffentlichkeit gelangt. Die „Deutsche Volkswacht", das Organ der hessischen Antisemiten, die damals noch gelegentlich mit dem „Windbeutelbund" der ostelbischen Junker in grimmer Fehde lagen — heut hat ihr Führer, Herr Hirschel, längst wieder seinen Frieden mit dem Bunde gemacht — plauderte damals aus, daß die Agitation des Bundes überall von bezahlten „abgelegten und verkrachten antisemitischen Agitatoren" betrieben werde. Das ist übrigens auch heut noch der Fall; eine ganze Anzahl früherer Redakteure der „Staatsb.-Ztg." hat im äußeren Dienst des Bundes der Landwirte bzw. der Konservativen Unterschlupf gefunden. Einer der gefährlichsten antisemitischen Hetzer, der Geschäftsführer des Bundes für die Provinz Sachsen, Bruno Kreutz, der später wegen Unterschlagung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist — also auch in dieser Beziehung ein Leidensgenosse des Herrn Hirschel — rühmte sich einst, er habe „drei Redner draußen, die mit antisemitischer Milch gesäugt" seien und das Ihrige tun würden. Hat -der Bund der Landwirte zu einer solchen wüsten Hetze gegen die Juden irgendeinen stichhaltigen Grund? Es dürfte ihm sehr schwer fallen, nachzuweisen, daß etwa die Juden als Konfession eine besondere Animosität gegen die Landwirtschaft bekundeten. Die Juden waren das älteste Volk, das Landwirtschaft betrieben hat; sie haben gerade als Ackerbauer es zu einer hohen Kulturstufe gebracht. Daß sie heut nur vereinzelt dem landwirtschaftlichen Berufe angehören, ist nicht ihre Schuld, sondern die Schuld derer, die sie viele Jahrhunderte in ein Ghetto einpferchten und sie zwangen, andere Berufe zu ergreifen. Die Wirkungen ciuc£ solchen nahezu ein Jahrtausend ausgeübten Ghettozwanges verwischen sich nicht so schnell. Und doch hat in der verhältnismäßig kurzen Zeit seit der Emanzipation das organisatorische Talent der Juden und ihr reger Forschersinn auch der Landwirtschaft schon manchen wertvollen Dienst geleistet. Das Internationale Institut für Ackerbau, das vor einigen Jahren unter dem Protektorat des Königs von Italien in Rom begründet worden ist, und zu dessen Generalversarnm-