Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die konfessionelle Hetze der deutschen Agrarier
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 388 (sequence 5)
- Language
- German
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388 Im deutschen Reich. Daß der Pater dieses Bernstein-Becker, der Geh. Kom.- Rat Becker in. Königsberg, den K o nservative n lt ahe - gestanden und zeitweilig nicht unbeträchtliche finanzielle Opfer für die konservative Sache bzw. das Königsberger konservative Blatt gebracht hat, dürfte auch Herrn Dr. Hahn schwerlich unbekannt geblieben sein; für das zarte Pflänzchen der Dankbarkeit ist freilich der agrarische Boden wenig zuträglich. Einen ebenbürtigen Rivalen irn Kampfe gegen die „zersetzende Macht des Judentums" hatte Herr Dr. Hahn auch diesmal in dem hessischen Bündterführer von B o d e l - s ch w i u g h - Schwarzenhasel, dessen Mahnspruch lautete: „Helfe ein jeder Deutscher und Christ, daß die U e b e r m a ch t d e s Juden tu ins noch rechtzeitig gebrochen werde." Er empfahl allen Agrariern dringend die Stöcker-Biographie Dietrich von Oertzens, die ein „ganz hervorragendes Buch" sei, und entwarf von der derzeitigen innerpolitischen Situation folgendes gruselige Bild: „Baterlandsloses Großkapital, verbündet mit vaterlandsloser Sozialdemokratie, beide geführt Dirn einem v a t e r l a n d s l o s en Volk, trachten nach der Herrschaft bei uns." Herr Dr. R oesicke ritt als dritter im Bunde gegen das Judentum in die Schranken. Die beiläufige Bemerkung des Herrn Dr. Walter R a Lhen a u im „Tag", daß „der ganze kontinentale Weltverkehr auf den Wirtschaftsgebieten nur noch von zirka 300 Personen gelenkt" werde, und daß „12 bis 13 Leiter der großen Banken" den Geld- und Kreditmarkt beherrschen, hat Herrn Dr. Roesicke ganz aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht, und er sieht infolgedessen sehr pessimistisch in die Zukunft: „Das ist derselbe Herr Rathenau, meine Herren und Damen, der kürzlich eingetreten ist für die Notwendigkeit, daß zu allen Staats- und R e i ch § ä m t e r n auch seine j ü d i s ch e n Glaubensgenossen hinzugezogen werden sollen." Ein gräßlicher Gedanke für den zweiten Bundesvorsitzenden! Wollte man alle die gehässigen Ausfälle, die allein in den Generalversammlungen und Provinzialversammlungen des Bundes gegen die Juden gemacht worden sind, registrieren, so könnte man damit schon eine ziemlich umfangreiche Broschüre füllen. Die Agitatoren zweiten und dritten Grades, die in der „Rednerschule" des Bundes von Herrn Dr. Hahn „aus-