Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die konfessionelle Hetze der deutschen Agrarier
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 386 (sequence 3)
- Language
- German
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186 Im deutschen Reich. in sehr absprechender Weise über den Katholizismus bzw. die politische Organisation des Katholizismus geäußert, worauf' am Schlüsse dieses Abschnittes noch mit einigen Worten näher eingegangen werden soll. Die schimpflichste konfessionelle Hetze hat aber der Bund der Landwirte von jeher durch die Anregung der niedrigsten antisemitischen Instinkte betrieben. Schon in der Versammlung des Jahres 1893, in der die Auflösung des „Deutschen Bauernbundes" und seine Fusionierung mit dem neugegründeten „Bunde der Landwirte" beschlossen wurde, proklamierte Herr v. Ploetz als politischen Leitsatz, den „Kampf gegen die zersetzenden Machte des Freisinns, des Judentums und der Sozialdemokratie". Schon in der nächsten Generalversammlung (Februar 1894) wurde einstimmig beschlossen, daß jedes Mitglied einer der ch r i st liche n Konfessionen angehören m ü s s e. Seit dieser Zeit ist keine Generalversammlung vorübergegangen, in der nicht geradezu fanatische Hetzreden gegen die Juden gehalten worden sind. „Ein Jubel ohne Ende — so rief L. v. Sonnenberg in der Zirkus Busch-Versammlung von 1897 — würde die deutschen Lande durchbrausen, wenn wir auch eine Grenzsperre bekämen gegen die I u den einfuhr", eine Forderung, die der Reichstag bekanntlich wiederholt init überwältigender Majorität nbgelehnt hat. In derselben Bundesversammlung sprach Major a. D. Endell von den Juden, die auf Gummirädern zur Börse fahren, aber nicht das Vaterland verteidigen können. Stiirmischen Beifall fanden folgende Verse, die Abg. Lucke vorlas: In allen Börsensüle n ist Ruh. Bon den Kindern Israels findest du Kaum einen Hauch. Da drüben noch einige Schreier, Aber warte nur, A b r a h a m Meyer, Balde ruhest auch du. Keine der führenden Persönlichkeiten des Bundes hat sich von diesen Hetzereien ausgeschlossen. In den ersten Jahren gab meist Herr Liebermann von Sonnenberg das Stichwort au?; später hielt er sich etwas zurück, da ihm die Herren von Wangenheini, Dr. Roesicke, Dr. Oertel, Dr. Hahn, Herr