Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 341 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 341 kennen und zu festigen. Es ist kein Adelsregiment, das der Kronprinz befehligen wird." Der frühere Herausgeber der „Staatsbürger-Zeitung", Wilhelm Bruhn, rückt in einem „Das Exil in Danzig" überschriebenen Artikel der „Wahrheit" noch weit deutlicher mit der Sprache heraus, indem er sagt: „Es ist gar nicht zu verkennen, daß eine Strömung vorhanden ist/ die mit allen Mitteln bestrebt ist, den Erben der Hohenzollernkrone in ihre Strudel zu ziehen. Seit er das gute Wort „völkisch" geprägt hat, beginnt man mißtrauisch seine Bewegungen zu überwachen und seine harmlose Lebensfreude zu bemäkeln." Das Organ Bruhns behauptet, daß „die Versetzung nach Langfuhr verzweifelt einem Exile gleicht" und fügt hinzu: „Mit diesem kalt accompli müssen wir uns abfinden, und wir werden gut tun, es nach der Art eines Kranken zu machen, der ja auch weiß, daß man Pillen schlucken und nicht kauen soll." Der Zweck derartiger Aeußerungen kann schließlich kaum ein anderer sein als „dem künftigen Erben der Hohenzollernkrone" schon jetzt die Sympathien unzufriedener Leute zuzuleiten und sie dem jetzigen Träger dieser Krone mehr und mehr zu entziehen. So sind die Antisemiten ebensowenig königstreue Männer und Stützen des Staates, wie sie als „Wotansanbeter" für Stützen der evangelischen Kirche gelten können. Die „Deutschen Nachrichten" haben am 4. Mai in einem „Der alte Kaiser nnb öre Anstellungsfährgkert öer Juden" überschriebenen Artikel nachzuweisen gesucht, daß auch Kaiser Wilhelm I., der „gewiß durch und durch konservativ und ein Mann von streng christlicher Gesinnung war", weil „ihm die Gerechtigkeit über alles ging", über die Judensrage vorurteilsloser dachte als sein Ministerium. Die „Deutschen Nachrichten" erzählen: „Wenn wir recht berichtet sind, war es im Jahre 1861, als das Staatsministerium den Auftrag erhielt, dem König Wilhelm I. durch ein Gesamtvotum seine Stellung zur Frage der Anstellungssähigkeit der Juden im Staatsdienst zu präzisieren. Damit war scheinbar das Schlußstadium langjähriger Verhandlungen erreicht. Die Beratungen hatten sich nicht auf schriftliche Expektorationen beschränkt. Das Votum des Staatsministeriums fiel, wie zu erwarten, in negativem Sinne, d. h. gegen die