Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 337 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 337 dieser Vereinsleitung in Zukunft gern verzichte. Bedenklich seien die hohen Preise der Güter schon Deshalb, weil sie für diejenigen deutschen Besitzer, denen das Heimatsgefühl, und die Heimatliebe fehlen, die die Polen fessele, einen Anreiz bilden, ihren Besitz abzustoßen und sich in einer anderen Gegend niederzulassen. Die ministerielle Aeußerung deutet auf die Absicht, einen Arnschwring in Her: OsLrnarkenxolitik herbeizuführen, die, von den Alldeutschen allzusehr beeinflußt, den Germanisierungsprozeß nicht fördert, sondern nur die verkaufslustigen Grundbesitzer bereichert, den jüdischen Bevölkerungsteil der Ostmarken aber dezimiert und dadurch den Polen die Möglichkeit verschafft hat, sich der verlassenen Stellen zu bemächtigen. Die Abwanderung der Juden aus den Ostmarken war mit wenigen Ausnahmen keine freiwillige; ihre Stellung zwischen den beiden hadernden Nationalitäten wurde von Jahr zu Jahr wirtschaftlich und gesellschaftlich immer unerquicklicher, während sie früher ein vermittelndes Element gebildet hatten, dessen Wert die nach den Ostmarken gesandten alldeutschen Beamten weit unterschätzt haben. Nicht leichten Herzens verließen sie die Heimat, sondern unter dem Druck unleidlicher Verhältnisse. Die begüterten Juden, die in den Ostmarken infolge des antisemitischen Boykotts nicht mehr den früheren gesellschaftlichen Anschluß fanden, haben in den letzten Jahrzehnten durch manche Stiftungen für ihre früheren Gemeinden und Stadtverwaltungen ein weit innigeres Heimatsgefühl bewiesen als mancher nichtjüdische Grundbesitzer, der nach glänzender Veräußerung seines Besitzes an die Ansiedelungskommission oder die Polen den Staub der heimatlichen Scholle von den Füßen schüttelte. Wer unbescholtene und erwerbstätige Menschen heimatslos macht, ladet aber gewiß eine große Verantwortlichkeit auf sich. „Glaube und Heimat ', ein Thema, das durch das Drama Schönherrs zum Tagesgespräch geworden ist, hat für das ganze deutsche Vaterland, besonders aber für die deutschen Juden, eine große Bedeutung, denn die fast vierzigjährige antisemitische Strömung hat viele jüdische Bewohner der Ostmarken gezwungen, aus Dörfern