Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 336 (sequence 5)
- Language
- German
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136 Im deutschen Reich. Abstammung. Die Konseguenzen dieser koufessionalisierenden Modekrankheit machen sich von Tag zu Tag fühlbarer, nicht nur bei den Juden, sondern auch den Katholiken, überhaupt allen Angehörigen einer Bevölkerungsminderheit; sie bilden für diese nicht nur eine tiefe Kränkung und Bedrohung ihrer Existenz, sondern führen in wirtschaftlicher und in politischer Beziehung zu Verbitterung und bedenklicher Zerklüftung der aus ein friedliches Zusammenarbeiten angewiesenen Bevölkerung des Deutschen Reiches. Dieser Tatsache verschließt sich die Antisemitenpresse nicht ganz; sie bestreitet ja den Sozialdemokraten das Recht, Wirtschaften und Geschäfte zu boykottieren, möchte Verrüfe, die von großen Organisationen ausgehen, einer strafrechtlichen Ahndung unterworfen sehen, jedoch den Juden gegenüber nach wie vor überall den Boykott rücksichtslos handhaben. Sie entblödet sich nicht, dies wörtlich wie folgt kundzugeben: „Verrufserklärungen der niederen Masse in Wirtschafts- und parteipolitischen Kämpfen führen zur Anwendung terroristischer Gewalt, und kapitalistische Verrüfe können schwere Schädigungen für die Betroffenen nach sich ziehen. Sie dienen also weder dem Einzelnen noch . der Gesamtheit, sie tragen (wie P a u l D e h n in einer „Verruf" betitelten Schrift erklärt hat) zur Beschleunigung der sozialen Zersetzung bei. Völkische und Bölkerv errufe können dagegen segensreich wirken." Von diesem angeblichen „Segen" hat die Mehrheit des deutschen Volkes noch nichts bemerkt. Selbst in den Regierungskreisen bricht sich unverkennbar die Ueberzeugung Bahn, daß eine Ueberspannuug des nationalen Gedankens für die gesamte Staatsverwaltung sehr leicht verhängnisvoll werden kann. . Der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer hat in der Budgetkommission des Landtages betont, daß es trotz der Ansiedelungstätigkeit in den Ostmarken den Polen gelungen sei, den deutschen Besitz im Verlauf von 15 Jahren um 92 000 Hektar zu überflügeln, daß sich aber das Tempo der Ansiedelungstätigkeit der letzten Jahre auf die Dauer nicht halten lasse. Für die in der Zeitschrift „Ostmark" enthaltenen Verdächtigungen der Staatsregierung müsse er die Leitung des Ostmarkenvereins verantwortlich machen. Man könne es ihm nicht verdenken, wenn er auf den Rat und die Unterstützung