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Im deutschen Reich · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. 335

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-06-01
Page
335 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 335 tretencn jüdischen Mitbürgern" zu Ehrenstellen verhelfen. Täten wir dies, dann hätte der Antisemiten-Monitenr doch so schönen Grund, seine frühere Behauptung zu verfechten, die glaubenstreuen Juden förderten die abgefallenen weiter, um sie für ihre Zwecke nutzbar zu machen! Zweierlei Matz zu führen, scheint bei unseren Gegnern gang und gäbe zu sein. Die „Staatsbürger-Zeitung" sagt z. B. auch: „Geschäftsleuten, die nichtjüdisches Personal suchen, wird mit Entziehung der Kundschaft gedroht, Bäder und- Sommerfrischen, die christliche Besucher wünschen, werden „Im deutschen Reich" veröffentlicht und geschmäht. Das ist nicht mehr Abwehr, das ist Angriff, ist Uebergriff." — Nein: es ist weder das eine noch das andere, sondern nur Notwehr! Wir schmähen die Bäder und Sommerfrischen nicht, die jüdische Besucher nicht wünschen oder in denen sie Mißhelligkeiten ausgesetzt sind, sondern warnen nur unsere Freunde, dort Ruhe und Erholung zu suchen, wo sie Aufregung und Aerger erwartet. Das ist keine Verrufserklärung, sondern weit eher ein Entgegenkommen solchen Pensionsinhabern und Bäderverwaltungen gegenüber, die Juden boykottieren oder drangsalieren, nicht etwa weil sie mit jüdischen Gästen üble Erfahrungen gemacht haben, sondern weil sie sich von den antisemitischen Suggestionen nicht befreien können. Fortgesetzt werden diese von der Antisemitenpresse geübt, die z. B. in neuester Zeit durch Artikel „Vom deutschen Badeleben" versucht hat, den Juden auch die Kur in S a l z b r u n.n zu verleiden. Wenn wir ferner Geschäftsleute namhaft machen, die jüdische Bewerber um vakante Stellungen in ihrem Betriebe öffentlich ausschließen, aber um keinen Preis die jüdischen Kunden verlieren möchten, ist dies ein Vorgehen, das bei jedem Billigdenkenden nur Anerkennung finden wird. Es ist hohe Zeit, daß der förmlich schon zur Mode gewordenen Ltonfessionalisierung bcs Geschäftsbetriebes ein Damm gesetzt wird. Es ist ein Frevel, daß man selbst im kaufmännischen Betrieb und überhaupt im Erwerbsleben die Menschen nicht nach ihrer sittlichen Führung und ihren Fähigkeiten taxiert, sondern nach Religionsbekenntnis und

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