Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 334 (sequence 3)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. erblicken werden gegen ' alldeutsche Wotansanbeter, die sich als „Stützen von Thron und Altar" ausgeben, aber durch die Verherrlichung rohen Götzendienstes aus Kosten des reinen Gottesbegrisses weite Volks kreise auch dem Christentum zu entfremden, mit dem Alten Testament auch das Neue Testament zu verpönen suchen, weil auch in diesem mancher für Antisemiten vernichtende lapidare Satz steht. Die konservative „Kreuz-Zeitung", die lange genug den Antisemiten die Stange gehalten hat, ist schließlich doch zur Ueberzeugung gelangt, daß diese demagogische und irreligiöse Strömung im deutschen Volksleben notwendig zum germanischen Belbcntum zurückführen muß. Es mußte dem konservativen Organ klar werden, daß die der alten , Edda entlehnten Bruchstücke, mit denen die Deutsch-Sozialen Blätter, der „Hammer" und die „Staatsbürger-Zeitung" ihre Ausführungen zu schmücken pflegen, weit mehr sind als bloße alldeutsche Schwärmereien für Wotan, Freya und Baldur, sondern ein Schlag ins Gesicht nicht nur der Juden, sondern a l l e r Bibelgläubigen. In ihrem gegen unseren Wahlaufruf gerichteten Artikel behauptet die „Staatsbürger-Zeitung" schlankweg, daß „jüdische Redakteure in Wort und Bild den christlichen Glauben herabsetzen", ohne dafür den Schatten eines Beweises bringen zu können. Keine einzige jüdische Zeitung hat jemals sich derartiges zuschulden kommen lassen; ob und wie weit ähnliches von Schriftstellern geschehen ist, die aus dem Judentum ausgeschieden sind und sich als neue Mitglieder der christlichen Gemeinde oder als Religionslose zu einer Kritik des Christentums berechtigt glauben, brauchen wir nicht zu erörtern. Wir haben mit ihnen keine Gemeinschaft mehr, kein Recht und keinen Anlaß, für oder gegen sie einzu- Lreten, und leben der Ueberzeugung, daß alle Bürger jüdischen Glaubens stets vor der religiösen Ueberzeugung der Bürger christlichen Glaubens die gebührende Achtung bekunden werden. Aber die „Staatsbürger-Zeitung", die uns einerseits für das Verhalten einzelner getaufter Juden gegen ihre neue Religionsgemeinschaft verantwortlich zu machen sucht, wirft uns andererseits vor, daß wir Wahlkandidaturen ehemaliger Juden ablehnen und nicht „den zum Christentum überge-