Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Eine antisemitische Anrempelung im anhaltlichen Landtage
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 331 (sequence 5)
- Language
- German
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Eine antisemitische Änremplunq im an!) alt. Landtage. 3H1 Nachdem Herr v. Trotha nochmals das Wort ergriffen und seine Beschuldigungen aufrecht erhalten hatte, erwiderte ihm Abg. Dr. C o h n noch folgendes: Es sei Herrn v. Trotha Vorbehalten geblieben, nachdem die Großgrundbesitzer an positiven Gründen nichts für sich hätten Vorbringen können, ihn vom Standpunkte des Antisemitismus aus zu packen. Wie der Abg. Pfarrer Baumecker schon gesagt hätte, sei es unwahr, daß den Juden als solchen die Neigung zu Bankerotten, Mädchenhandel und ähnlichen schlimmen Dingen anhafte, und daher dürfe Herr v. Trotha den deutschen Juden solche Borwürfe ebensowenig anheften, wie man Herrn v. Trotha etwa persönlich vorwerfen könne, daß mancher unter den Vorfahren seiner Stammesaenossen Wegelagerer und Buschklepper gewesen sei, Weiberschänder und Mädchenversührer, bei Plünderung der Städte und Burgen. Wenn Treitschke es miterlebt hätte, wie der Antisemitismus sich weiter entwickelt habe und die ödesten Triebe des Neides und der Verlogenheit benutze, so hätte er sich von ihm abgewandt und heute würde er ausrufen: „Nicht die Juden sind unser Unglück, nein die Agrarier sind unser Unglück!" Wenn man gegenüber seinem 'Versuche gegen die Ueberwucherung des Großgrundbesitzes in der Verfassung und Verwaltung des anhaltischen Staates die Volksleidenschaft gegen ihn entfesseln wolle und hierfür mangels politischer Handhabe das Gebiet zu Hilfe nehme, wo der Neid des Pöbels in manchen Gegenden des deutschen Vaterlandes Orgien feiere, so unterschätze Herr v. Trotha die Anhaltiner, die gegen diesen Bazillus denn doch noch glücklicherweise gefeit seien. Wenn Herr v. Trotha schließlich auch noch auf den Rassenbegriff gekommen sei, so sei dies die letzte Ausrede aller derjenigen, die am letzten Rande ihres Wissens angekömmen seien. Sprache und Bildung seien es, die die Zusammengehörigkeit im Volke ausmachten, die Kulturentwicklung bedinge den Zusammenhang mit dem Volke und ebenso, wie die Juden aus der einen Seite festen Zusammenhang haben selbst mit dem ungebildeten, deutschen Knecht in Sprache, Gesinnung, Gesittung und vor allem im Wollen, so würden die Juden, die selbst Unterdrückung erfahren haben, es sich niemals nehmen lassen, mit denen zusammenzuhalten, die unterdrückt werden, und gegen die gemeinsamen Unterdrücker Front zu machen. Aus demselben