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Im deutschen Reich · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. 330

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Eine antisemitische Anrempelung im anhaltlichen Landtage
Date
1911-06-01
Page
330 (sequence 4)
Language
German
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330 Im deutschen Reich. Für die Nationalliberalen sprach der Abg. Pfarrer Baumecker: Der Angriff des Herrn v. Trotha sei in einer Weise erfolgt, die aus eine förmliche Beleidigung des Judentums hinauslause; es würden da die moralischen Qualitäten des Judentums angezweifelt und ihm Dinge nachgesagt, die wohl bei Juden, aber ebenso auch bei Christen vorkämen. Die heutige Entwicklung des Judentums liege auch in der Schuld der Christen. Redner verweist auf die Judenverfolgungen in Rußland, Rumänien usw. und drückt den Wunsch aus, daß es zu einer beiderseitigen Verständigung komme. Nach diesen Worten des Nationalliberalen ergriff der Abg. C o h n-D e s s a u nochmals das Wort. Die deutschen Juden ständen nach wie vor aus dem Standpunkte Gabriel Rießers, daß sie dem deutschen Baterlande angehören und ihm willig alles opfern wollten, nur Glauben und Treue, Wahrheit und Ehre nicht, denn durch solche Opfer etwa ein Deutscher zu werden, entspreche keineswegs der deutschen Helden- und Kulturgeschichte. Gerade deswegen aber seien die Juden darüber empört, falls jemand ihnen undeutsches Fühlen und undeutsches Handeln zum Borwurf mache. Wenn andererseits der Abg. v. Trotha erklärt habe, die jüdische „Religion" nicht angreifen zu wollen und wenn er trotzdem „die Juden" als solche Verbrecher nenne, so sei dies eine Taktik, die durchsichtig sei und sich selbst richte. Wenn Herr v. Trotha die Vorwürfe von 1806 als Schlagworte bezeichnet habe, so sei dies unrichtig; denn wie es 1806 auch unter den Großgrundbesitzern und dem Adel manchen Tüchtigen gegeben habe, so habe doch die Mehrzahl der Führer Hr jener Zeit versagt und zwar darum, weil durch ihre schuld der Staat politisch und wirtschaftlich angefault war. Die ganze Antisemitendebatte scheine wohlvorbereitet und sei doch völlig deplaziert; denn Redner habe lediglich als Abgeordneter, der in der Hauptsache von christlichen Wühlern gewählt sei, und deutscher Staatsbürger seiner Ansicht offenen Ausdruck verliehen. Dies werde er auch weiterhin tun, denn dazu sei er ja deutscher Staatsbürger. „Der bin ich und der bleibe ich, ob es dem Herrn v. Trotha bequem ist oder nicht. Im Gegenteil, ich würde mich fürchten, wenn ich von ihm gelobt würde. Ich bin auf dem rechten Wege, und auf diesem Wege gedenke ich zu leben und zu sterben."

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