Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Eine antisemitische Anrempelung im anhaltlichen Landtage
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 332 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316811-2344801--21607-2344866- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 Im deutschen Reich. Grunde müßten die Inden es aber auch umgekehrt zurückweisen, wenn diejenigen ihnen immer noch aufs Konto gesetzt würden, die längst nicht mehr ihres Glaubens seien. „Achtung vor dem, der aus innerlichster Ueberzeugung einer anderen Religion sich anschließt! Mit den getauften Juden aber, die nicht aus Ueberzeugung, sondern lediglich aus äußeren Gründen oder aus Gleichgültigkeit von uns ab gefallen sind, wollen wir nichts zu tun haben." Herrn v. Trotha kam keiner seiner Freunde zu Hilfe. Das sozialdemokratische Mitglied des Hauses verhielt sich stumm. Besonders erfreulich war, daß die Nationalliberalen gegen Herrn v. Trotha auftraten, und dies um so wirkungsvoller, als es aus dem Munde eines Abgeordneten geschah, der Pfarrer ist. Im ganzen hat die Debatte gezeigt, daß für antisemitische Exzesse wie die des Herrn v. Trotha in Anhalt kein Raum ist. Bezeichnenderweise bringt das Regierungsblatt in seinem ausführlichen Landtagsbericht kein Wort von diesen Angriffen des Herrn v. Trotha und den ihm gewordenen Antworten. Gut war, daß sofort ein deutscher Jude selbst gegen den Antisemiten zu Wort kam und zwar in wohl informierter und nachdrücklichster Weise, wie dies hier seitens unseres Vorstandsmitgliedes, des Abg. Dr. Cohn, geschehen ist. Zlnrscha«. enn der Berliner Antisemiten-Moniteur über einen größeren Leserkreis verfügte, müßten wir davon einen erheblichen Nutzen haben, daß er unserer Zeitschrift am 5. Mai einen mit großen Lettern „Im Deutschen Reich" überschriebenen Leitartikel gewidmet hat. Von dieser Leistung sagt er selbst, daß sie „eine wenig saubere Arbeit" fei; sie würde trotzdem, wenn die „Staatsbürger-Zeitung" verbreiteter wäre, selbstverständlich unabsichtlich, sowohl für unseren Wahlaufruf als auch für unsere ganze Tätigkeit eine glänzende Reklame gebildet haben. Wie Bileams Fluch sich wider Willen in Segen verwandelte, wird der Wutausbruch der Staatsbürger-Zeitung für uns doch zu reichem Segen werden, denn der heidnische Prophet in der Bernburger