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Im deutschen Reich · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. 326

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Antisemitismus in der Schule
Date
1911-06-01
Page
326 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschen Reich. währender Maßnahmen einen Ausnahmezustand für jüdische Schüler lediglich aus dem Grunde schafft, weil sie Juden sind. Er will durch Ablehnung einer an sich begründeten Maßnahme die Juden bestrafen, weil er unter ihnen einige minderwertige Elemente gefunden hat. Es dürfte auch Bedenken erregen, daß der Direktor hervorhebt, er habe „gerade" bei jüdischen Schülern schlechte Eigenschaften vorgefunden. Er wird doch wohl nicht im Ernste behaupten wollen, daß die jüdischen Schüler i m allgemeine n mit der von ihm gewählten Ausdrucksweise als „feige, frech, roh und gemein" bezeichnet werden können. Wenn ferner der Direktor darauf hinweist, daß ihm das Verhalten der minder anständigen jüdischen. Schüler besonders wegen der anständigen bedauerlich erscheine, so gibt er damit zu, daß eine Beurteilung der Schüler nach ihrer R e l i g i o n s zu g e st ö r i g k e i L stattfindet. Was unbedingt verlangt werden muß, ist, daß in einer deutschen Schule der deutsche Schüler gewürdigt wird, und daß alle anderen Momente, insbesondere der Stand und die Religion der Eltern, bei der persönlichen Beurteilung außer Betracht bleiben. Wenn ein jüdischer Schüler schlecht ist, so mag er deswegen mit Recht bestraft (ebenso, wie dies gegenüber einem ebenso schlechten christlichen Schüler geboten wäre) und event. aus der Schule ausgeschlossen werden; wenn aber darunter die anderen jüdischen Schüler leiden, so ist der Beweis dafür geliefert, daß falsche Verallgemeinerungen nicht mit allen Mitteln bei dem Lehrerkollegium und der Schulleitung bekämpft und ausgeschlossen, sondern sogar als etwas Natürliches und Selbstverständliches erachtet werden." Die Schulbehörde sprach ihr lebhaftes Bedauern über die Aeußerung des Direktors aus und das feste Vertrauen, daß er eine verschiedene Behandlung der Schüler nach ihrer Konfession weder selbst eintreten lassen noch dulden werde. Der Direktor gab vor den versammelten Schülern eine Erklärung ab, daß er erwarten müsse, daß in diesem wie in den anderen Vereinen der Schule unbedingt auf Kameradschaftlichkeit gehalten werden müsse, daß der Turnverein unweigerlich aufgelöst werden würde, wenn sich derartige Vorfälle wiederholen würden. Es wird Sache des Vereins und seiner Mitglieder sein.

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