Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
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282 Im deutschen Reich. sich erörtert werden, und insbesondere betont wird, daß wahrscheinlich die siebenjährige Zeit bis zur Erreichung der Stabsarztstellung manchen jungen Zivilkollegen abhält, die wenig einträgliche Zivilstellung mit der besser dotierten militärärztlichen zu vertauschen. Dr. Körting sagt: „Dieser Grund liegt meines Erachtens nicht am Sanitütskdrps, sondern an einem gewissen — mir begreiflichen — Unabhängigkeitsdrang, der bem freien Mediziner eigen ist. Das ist eine internationale Eigenheit des ärztlichen Standes. Die Klage über mangelnden Zugang junger Aerzte zum Militärsanitätsdienst ist in der französischen, österreichisch-ungarischen, russischen, ja sogar in der englischen und nordamerikanischen Armee dieselbe wie bei uns; sie findet in den Fachzeitschriften einen oft drastischen Ausdruck. D aß dieser Grund nicht in der sogenannten „Judenfrage" liegt, zeigt sich zur Evidenz darin, daß die Lust zum Uebertritt auch in denjenigen Armeen gering ist, die einen starken Einschlag mosaischer Aerzte haben: in der österreichisch-ungarischen, italienischen, russischen. Ich habe im übrigen nie die Bemerkung gemacht, daß mosaische Kollegen, die in unfern Standesanschauungen aufgingen, Schwierigkeiten im Offizierkorps oder Sanitätskorps gesunden hätten. In meiner Jugend war ich mit zweien in Berührung, die eine hochgeachtete Position hatten, einer ging als Generalarzt ab; als Divisionsarzt in Metz stand ich mit dreien zusammen, einem bayrischen und zwei preußischen, die sich einer durchaus angesehenen Stellung erfreuten, einer davon wurde aktiver Divisionsarzt und ging auch als Generalarzt ab; nahe Freundschaft verbindet mich diesem ausgezeichneten, von seinem Offizierskorps außergewöhnlich geschätzten Herrn noch heute. Das Gleiche gilt von zahlreichen jüdischen Kollegen des Beurlaubtenstandes, mit denen ich 1866 und 1870—1871 zusammen im Felde gestanden habe. Aber ich will nicht leugnen, daß der mosaische Militärarzt sich seine Stellung noch mehr selbst gewinnen muß als der christliche." — Damit wird die Tatsache aber nicht widerlegt, daß zahlreiche jüdische Aerzte über die Schwierigkeiten des militärärztlichen Standes gern hinwegsehen würden, wenn man ihnen den Zugang zum Militärsanitätsdienst nicht aus Gründen erschwerte, die mit sogenannten „Imponderabilien" begründet werden, aber nur auf haltlose Vorurteile zurück-