Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Falsche Auffassungen
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 255 (sequence 3)
- Language
- German
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Falsche Auffassungen. 255 zuführen ist. Was denkt die „Weser-Zeitung" über einen Reichstagsabgeordneten, der früher dem Judentum angehört hat und noch vor wenigen Jahren in einem uns zur Kenntnis gekommenen Briefe schreibt: „Ich habe nie auf ge h ör t, mich als Jude zu fühlen urtb werde e s auch in Zukunft weiter tun, trotz meines Ueb ertritts." Sind das diejenigen Leute, denen man ein besonderes Verständnis für die Fragen des Charakters zutrauen kann? Oder aber wenn sich ein vom Judentum zum Christentum übergetretener Mann um ein Reichstagsmandat bewirbt, der, solange er jüdische Unterstützung brauchte, gar nicbt genug seine religiös-jüdische Frömmigkeit hervorheben konnte und in dem Augenblick das Judentum verließ, als er finanziell unabhängig wurde und als es nun galt, zu den Geldmitteln politische Ehren zu erwerben? Wer auch immer die Verhältnisse im Judentum einigermaßen kennt, weiß, daß Ueberrritte aus ehrlicher bleberzeugung von der Wahrheit des Christentums sehr, sehr selten sind. Die Leute, die einen solchen Uebertritt vollziehen, sind es meist nicht, die nachher ein Reichstagsmandat erstreben. Jede politische Partei hatein wesentliches Interesse daran, daß nur lautere Charaktere zu den höchsten politischen Aemtern gelangen und nicht Leute, deren Integrität in bezug auf die wesentlichsten Charaktereigenschaften, die Treue und Gesinnungsfestigkeit, in hohem Grade bedenklich ist. Man kennt unter den Juden diejenigen Persönkeiten, die aus innerer Ueberzeugung zum Christentum übergetreten sind. Man weiß aber ebenso genau, daß die Herren, die sich zu Reichstagsmandaten drängen und früher dem Judentum angehört haben, aus Streberei ihren Glauben gewechselt haben. Wenn also, wie die „Weser- Zeitung" schreibt, die Politik der Liberalen auf ideellen und et h i s ch e n G r u n d s ä tz e n basieren s oll, s o m u ß g e r a d e a u s d i e s e n G e s i ch i spunkten h c r a lt s jeder e h r l i ch e Mann den getauften K a n d i b a i e rt er! Iär e n , d a ß sie n'i ch t z u r Ver - t r c t u n g de s B o l k e s g e e i g n e t f i n d.