Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Falsche Auffassungen
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Im deutschen Reich. im Judentum, ihren Einfluß im Central-Verein dahin geltend zu machen, daß er nicht der Politik der Liberalen Knüppel in den Weg wirft und so indirekt nur den Antisemiten willkommene Helferdienste leistet." In dieser. Notiz ist zunächst unrichtig, daß der Central- Verein jemals seine Mitglieder verpflichtet habe, keine zum Christentum übergetretenen jüdischen Mitbürger, sofern ste als Kandidaten ausgestellt werden sollen. Zu unterstichen oder direkt oder indirekt empfiehlt, in solchen Fällen lieber Sozialdemokraten zu wählen. Die unveränderliche Grundlage der Bestrebungen des Central-Vereins ist es bisher immer gewesen, die Wahl eines Antisemiten zu verhindern. Darüber hinaus kann die Wahlparole nicht gehen. Daneben hat der Central-Verein a l l e r d i n g s mit aller Entschiedenheit darauf hi n zuwirken g e s u ch t, daß bei der Ausstellung von K a n d i d a t e n der n i ch t a n ti s e m i t i s ch e n politis ch e n Parteien aus das Gefühl der übergroßen Menge der deutschen Juden Rücksicht genommen wird, die i n R e n e g a t e n nicht d i e j e n i g e n Persönlichkeiten erblicken können, welch e f ü r die höchsten politischen Ehrenämter, die das Volk zu vergeben hat, geeignet sind. Dieser Standpunkt hat mit der Religion ebensowenig wie mit der Orthodoxie zu tun. Denn nicht nur orthodox-religiöse Kreise sehen in der Aufstellung von Täuflingen für öffentliche Wahlen einen höchst bedauerlichen Schritt, sondern auch im gleichen Maße religiös-liberale Kreise. — Warum? Vollkommen recht hatte die „Weser-Zeitung", wenn es sich um eine rein religiöse Frage handelte, d. h. wenn der Einzelpersönlichkeit aus ihrer Ueberzeugung in religiösen Dingen ein Strick gedreht werden sollte. Davon ist nicht die Rede. Es handelt sich hier lediglich um diejenigen Persönlichkeiten, von denen man weiß, daß sie aus rein äußeren Gründen, insbesondere um ein Amt zu erhalten oder sonst Befriedigung persönlicher Wünsche zu erreichen, vom Judentum absallen und das Christentum annehmen. Es muß darauf hingewiesen werden, daß wir bei einer ganzen Reihe von Reichstagskandidaten verfolgen können, daß ihr dlebertritt zum Christentum allein auf dieses Motiv zurück-