Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. 250

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-05-01
Page
250 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316810-2344698--21500-2344735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich. 250 jüngere Zeiten bieten weit mehr Beachtenswertes. Allerdings ist, wie er keineswegs verkennt, bei Schlußfolgerungen aus koinzidierenden Erscheinungen Vorsicht am Platze. Es geht nicht an, den „plötzlichen Ruck nach aufwärts", den zu Ende des 16. Jahrhunderts die Volkswirtschaft Hollands erfuhr, ausschließlich auf die Niederlassung portugiesischer Juden in Amsterdam zurückzuführen. Sonst könnte man auch das Fehlerl des Großgrundbesitzes in Südwestdeutschland dem Umstande zuschreiben, daß die dortigen Juden, aus dem Lande seßhaft, durch Güterschlächterei für Parzellierung sorgten. Immerhin wird, in dem einen wie in dem andern Falle, die Tätigkeit der Juden als mitwirksame Ursache anzusehen sein, und recht merkwürdig ist jedenfalls die keineswegs ganz neue Beobachtung: „Wie die Sonne geht Israel über Europa, wo es hinkommt, sprießt neues Leben empor, von wo es wegzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte." Daß die Juden, vom 16. Jahrhundert an, ganz ungemein viel zur „Belebung des internationalen Warenhandels" beigetragen haben, wird kaum ernstlich bezweifelt. Weniger bekannt, aber um so beachtenswerter, erscheint ihr Anteil an „der Begründung der modernen Kolonialwirtschast." Es mag überkühne Hyperbel sein, Amerika als „ein Judenland" zu bezeichnen: aber wenn auch die jüdische Abstammung des Kolumbus zweifelhaft ist, so steht dafiir die seines Geldgebers desto sicherer fest, und was Juden seitdem für Amerika geleistet haben, muß man eben bei Sombart Nachlesen Die Verdienste, die sich Juden um „die Begründung des modernen Staates" erworben, als Armeelieferanten und Finanzmänner, würden nach den von Sombart gegebenen Allregungen noch speziellere, archioalische Untersuchungen verdienen, bei denen statt der langweiligen Judenakten, die Rechnungen heranzuziehen wären. Vielleicht kommt dann auch einmal die merkwürdige Gestalt des Gabriel vor: Salamanka zu ihrem Recht, der, aller Wahrscheinlichkeit nach Marrane von Herkunft, als Rat Ferdinands I., einen geheimnisvolle;!, aber sehr bedeutenden Anteil an der Begründung der österreichischen Monarchie genommen hat. Biel weniger einleuchtend sind Sombarts Ausführungen über die Verdienste der Juden mit die Entstehung der modernen Wertpapiere. Daß sie schon im 18. Jahrhundert

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.