Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 249 (sequence 3)
- Language
- German
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249 Die Juden und das Wirtschaftsleben. Altertums keine Ackerbaukolonien gegründet worden seien. Das Gegenteil ist vielmehr für Nordafrika mit ausreichender Sicherheit nach gewiesen, und wo sind dann die noch zu Beginn des Mittelalters auf der Insel Sizilien recht zahlreichen jüdischen Bauern hergekommen? Was aber das spätere „Nomadentum" anbetrifft, so sind die unfreiwilligen von den freiwilligen Wanderungen scharf zu scheiden. Daß für erstere religiöse Motive maßgebend waren, stellt Sombart gar nicht in Abrede. Was aber letztere anbetrifft, so hätte er der bahnbrechenden Untersuchung Bachers über die „inneren Wanderungen" mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, aus der hervorgeht, wie gering die „Seßhaftigkeit" der Bevölkerung bereits im Mittelalter gewesen ist, weil die Menschen, ohne Unterschied der Religion, damals wie heutzutage dem Verdienst nachgingen. Bilden doch die Juden in Frankfurt a. M., einer der wenigen deutschen Städte, wo sie seit dem 14. Jahrhundert ununterbrochen wohnen bleiben durften, trotz ihrer angeblichen nomadischen Instinkte nachgewiesenermaßen den bodenständigsten der dort wie überall in stetem Wechsel befindlichen Einwohnerschaft. Vollends unbegreiflich erscheint es, daß Sombart eine unzutreffende Annahme Büchers, nach der die Juden in Deutschland sich von jeher so stark mit Geldgeschäften befaßt hätten, wie das im 14. und 15. Jahrhundert der Fäll war, in ungeheuerlicher Weise verallgemeinert hat. Geborgt wurde in Palästina wohl schon vor Einwanderung der Israeliten. Die Juden haben ohne Zweifel während des ganzen Verlaufs ihrer Geschichte Darlehen gegeben und empfangen; aber nur zu bestimmten Zeiten und in wenigen Ländern ist die Geldleihe ihr vornehmster Erwerbszweig gewesen! Ungleich besser als hu Mittelalter weiß sich Sombart in der neueren Wirtschaftsgeschichte zurecht zu finden, und das muß sehr begreiflich erscheinen. Während der Historiker die Vergangenheit um ihrer selb st willen betrachtet, um zu erkennen, wie die Dinge gewesen sind, interessiert den Nationalökonom, der Zustände der Gegenwart genetisch erklären will, nur, was seiner Meinung nach noch von Bedeutung ist oder im Zusammenhänge der Entwicklung auf bestehende Verhältnisse eingewirkt hat. Da lausen denn gar leicht einseitige Auffassungen mit unter. Die Ausführungen Sombarts über