Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 248 (sequence 2)
- Language
- German
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248 Im deutschen Reich. erste entscheidende Prägung etwa von den Juden erfahren haben" und dein Zwecke eine „Zurückverfolgnug rvirtschaftlicher Entwicklungsreihen tunlichst bis in ihre ersten Anfänge hinauf" vornehmen. Sehr mit Recht erklärt er die bloß „statistische Methode" für ungenügend zur Erfüllung seiner Aufgabe; selbst über die Verwendbarkeit moderner Statistiken äußert er sich recht skeptisch. — Dann war er aber auch nicht berechtigt, auf Grund einiger Zahlenreihen zweifelhaften Werts das Märchen vom „Reichtum" der Juden wieder vorzubringen. Beachtenswert sind höchstens einige Ziffern, aus denen sich, wenn sie zutreffen, ergibt, daß neuerdings bei den Christen das Einkommen und bei den Juden das Vermögen stärker angewachsen ist, wohl wegen Erhöhung der Beamtengehälter und Steigerung der Arbeitslöhne bei den einen, während die anderen als selbständige Gewerbetreibende in Ermangelung einer Pensionsberechtigung mehr sparen müssen. Wirklich reiche Pente waren im Altertum und Mittelalter die Großgrundherrn; die großen Vermögen haben in Latifundien bestanden, so wie das noch heute in Ostelbien und anderwärts der Fall ist, wo die Inhaber des alten und befestigten Grundbesitzes weit „reicher" sind als die ungeheure Mehrzahl der Juden. Bilden diese doch trotz aller wirtschaftlichen Befähigung und rastlosen Tätigkeit einen leidlich wohlhabenden Mittelstand nur dann, wenn arme Bekenner der mosaischen Lehre früher keinen Zulaß gefunden haben und heute noch a u s g e w i e s e n werden. Die genetische Methode, wie sie Sombart handhabt, ist nicht eigentlich mit der historischen identisch. Den Gesamtverlauf der jüdischen Wirtschaftsgeschichte zu verfolgen, hat er nicht versucht, und der kurze Abriß, den er am Schluß seines Werkes beifügt, erweckt schwere Bedenken. Es war kein glücklicher Gedanke, die für Urgermanen und Slawen nunmehr beseitigte „Nomadentheorie", nach der bei Uebergang des Volkes zur Seßhaftigkeit ein Hirtenadel die Herrschaft über abhängige. Ackerbauer gewonnen haben soll, auf das alte Israel zu übertragen. Nomaden wohnen nun einmal nicht in Städten, wie das die Israeliten zur Königszeit zu tun pflegten, ob sie nun Herden am Rande der Wüste weiden ließen oder ihren Weinberg pflanzten. Es muß ferner schlechthin für unrichtig gelten, daß von der jüdischen Diaspora des