Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-04-01
Page
212 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316809--21433-2344653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

212 Im deutschen Reich. und entrechten, dessen Wiege auf deutschem Boden stand, dessen Eltern in deutscher Erde eine letzte Ruhestätte fanden. Uns wagt man den Schimpf zu bieten, man solle, statt die Gleichberechligung im Heeresdienst befähigten jüdischen Soldaten zuzuerkennen, die Juden und auch die Abkömmlinge von Juden gegen eine Wehrsteuer vom Militärdienst völlig befreien! Eine derartige Erniedrigung, welche die deutschen Juden tatsächlich zu Bürgern zweiter Klasse machen würde, mag den Wünschen der Antisemiten entsprechen, müßte aber den Staat, der solchen Schimpf zulassen würde, noch weit mehr entehren als die von ihm tiesgekränkre Bevölkerungsminderheit. Wer dein preußischen Staat eine solche unwürdige Handlung auch nur zumutet, ist schlimmer als der ärgste Anarchist; solchen wüsten Politikern muß die Klinke der Gesetzgebung mit jeden Preis entrissen werden — sie sind die wahren Reichs feinde! Der „Fränkische Kurier" schreibt über den „Vorschlag zur Güte", durch den die „Deutsche Tageszeitung" die Einheitlichkeit der preußischen Armee gegen „jüdische Abkömmlinge" sichern möchte: „Wenn man sich aus den Standpunkt stellen wollte, dann inüßte bei jedem Rekruten eine chemische Untersuchung des Blutes auf ' Judenbestandteile vorgenommen werden. Es ist nebenbei gesagt eine uralte Tatsache, daß eine ganze Reihe von großen Feudalherren, die selbst in der Armee als Offiziere gedient haben oder deren Söhne den Ofsiziersrock tragen, jüdisches Blut in den Adern haben. So lächerlich Vorschläge nach der Art der „Deutschen Tageszeitung" sind, so traurig ist es doch, daß es eine Partei gibt, die Deutschen verwehren will, sich in den Dienst ihres Vaterlandes zu stellen." Bon solchen Parteien muß sich das deutsche Volk mit Widerwillen abwenden. Es steht zu hoffen, daß dies bei den Reichstagswahlen deutlich zum Ausdruck gelangen wird; dies laßt sich schon jetzt aus der Heftigkeit schließen, mit der die Antisemiten sich gegen alle äußern, die sich früher zu ihren Anhängern Zählten, aber sich aus wohlerwogenen Gründen von ihnen losgesagt haben. Das gilt in erster Reihe von der tUxttclftanösvctcinignng, deren Mitglieder sich nicht mehr von den antisemitischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.