Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 208 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316809--21429-2344649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
müßte geradezu mit dem Kuckuck zugehen, wenn eine so mächtige Verwaltung es nicht durchsetzen könnte, daß in das Offizierkorps auch Juden hineinkommen." Dazu bemerkte nämlich das Organ des „Bundes der Landwirte", die „Deutsche Tageszeitung": „Welche Wandlung seit den Zeiten, da Heinrich v. T r e i t s ch k e den jetzt von Herrn Pausche vertretenen Wahlkreis zierte'" Aber nicht dieses einzelne Mitglied der n a t i o n a l l i b e r a l e n Partei, sondern auch der Abgeordnete Osann erachtete es als seine Pflicht, sich entschieden gegen eine ' haßerfüllte Rede des Abgeordneten Raab zu wenden, mit der dieser eine antisemitische Tonart anschlug, die nur bei dem Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und seinen Mannen, aber bei keiner anderen Partei Widerhall fand, und schließlich selbst den Widerspruch des Hxxegsmintftexs von Leerungen veranlaßte, der viel zu sehr auf militärische Disziplin hält, um es zu billigen, wenn diese durch Aufreizungen gefährdet wird. Nichts anderes bedeutete es aber, wenn der Abgeordnete Raab am Schlüsse seiner Rede sich unterfing, zu sagen: „Der Jude wird niemals ein richtiger Vorgesetzter werden. Es ist nicht so wichtig, daß die Offiziere ihre jüdischen Kameraden ertragen, als daß wir den einfachen deutschen Jungen nicht in Gefahr bringen, sich gegen den jüdischen Vorgesetzten zu vergehen, weil er ihm in seiner ganzen Ausmachung nicht zusagt." Der preußische Kriegsminister hatte schon vorher erklärt, daß durch Verfassung und Gesetz eine Zurücksetzung des Glaubens wegen ausgeschlossen sei und daß auch nach der Verfügung vom Jahre 1908 ein Unterschied betreffs des Religionsbekenntnisses nicht gemacht werden dürfe. Aber er gab unumwunden zu, daß der Grund für die Nichtbeförwerung von Juden zu Offizieren seit länger als einem Vierteljahrhundert „hier und da auf bewußte oder unbewußte antisemitische Regungen zurückzuführen ist, die unverkennbar im Volk noch vorhanden sind, und auf die Armee, auf das Volksheer naturgemäß abfärben". Er möchte es dick unterstreichen, daß er das mißbillige, aber