Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 207 (sequence 2)
- Language
- German
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UUl|UJUU. die Erreichung eines Herzenswunsches vieler jüdischer Soldaten gehandelt, so würde ein so auffallender Stimmungswechsel bei den politischen Parteien Wohl kaum eingetreten sein. Diese Wandlung ist vielmehr unverkennbar darauf zurückzu-- führen, daß hierbei nicht etwa ein Teil der vielumstrittenen „Judensrage" zu lösen ist, sondern die für Preußen weit schwerer wiegende Frage der HeMghaltung Her: beschworenen Verfassung. Die Ausflucht der Rücksichtnahme auf angebliche Strömungen in dem Empfinden weiter Bolkskreise hat nur dazu gedient, den Wortlaut der Verfassung so umzudeuten, daß heut das Palladium der bürgerlichen Freiheit fast nur noch den Eindruck eines Blattes Papier macht. Vielleicht wird man auch noch dazu gelangen, einzusehen, daß viele, die sich als berufene Stützen von Thron und Altar hinzustellen pflegen und das Monopol der monarchischen Gesinnung zu besitzen vorgeben, dadurch, daß sie dem in kaiserlichen Kabinettsordres deutlich ausgesprochenen Willen des höchsten Kriegsherrn ebenso wie den offiziellen Kundgebungen zweier Kriegs- Minister einen passiven Widerstand leisteten, das Ansehen der Krone gewiß nicht erhöht haben. Deutlich ist dies im Parlament noch nicht zum Ausdruck gelangt, aber der Gang der Verhandlungen bei der Beratung des Heeresetats läßt doch annehmen, daß diese Debatten nur ein Vorspiel bedeuten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei einem für die jetzige Reichstagsmehrheit ungünstigen Ausfall der nächsten Reichstagswahlen die Staatsleitung mit einem energischen Quos ego! einem Treiben Einhalt tun wird, das die bürgerliche Freiheit beeinträchtigt und mit dem Wesen der verfassungsmäßigen Monarchie unvereinbar ist. Daß die Kon^cxvativen sich über den sich langsam aber sicher vorbereitenden Stimmungswechsel nicht täuschten, bewies der Wutausbvuch der „Deutschen Tageszeitung" über einen Ausspruch des n a t i o n a l l i b e r a l e n Abgeordneten für Kreuznach- Simmern, Geheimrat Or. P aas che, der bei der Beratung des Heeresetatd dem Kriegsministerium entgegenhielt: „Es